Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Lieber etwas Praktisches?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 27. Juli 2017

Jubiläumshängebrücke

Wenn es die Krönung unserer darwinschen Entwicklung ist, über ein Tobel vier Drähte zu spannen, ein paar maschendrahtbesäumte Brettchen darauf zu binden, um das Ganze als imposantes Denkmal zu 300 Jahren Liechtenstein zu feiern, dann ist die Altitude unserer Kultur und der Stolz zu 300 Jahren Eigenstaatlichkeit nicht sehr weit über dem Meeresspiegel der letzten grossen Eiszeit. In Ermangelung an erbrachter Leistung dieser zufälligen 300-Jahre-Verbandelung von Ober- und Unterland, kommen für dessen Beweihräucherung weder ein Reiterstandbild oder gar ein Triumphbogen in Betracht. Selbst bei der Verwendung des Begriffs Denkmal (Zeugnis) stellen sich für 300 Jahre, für welche wir ja gar nichts können und uns somit weder Schuld noch Glorie treffen, gewisse Zweifel ein. Bleibt noch, die Drähte und die Holzbrettchen als Mahnmal zu verstehen. Mahnen, dass ein Mahnmal die Zeit bis zumindest zum nächsten runden Geburtstag heile überdauern sollte und uns halt nichts Besseres eingefallen ist. Der schlaue und durchtriebene Ehemann schenkt seiner Frau zu Weihnachten anstatt einer goldenen Halskette lieber einen Gebrauchsgegenstand. So etwa einen neuen Staubsauger oder einen Kochtopf, womit er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erwischt. Zum einen zeigt er ihr seine Dankbarkeit, seine Ehrfurcht und seine Liebe und zum anderen erleichtert er ihr auch die Arbeit, mahnt aber zwischen den Ästen des Weihnachtsbaumes, dass sie öfter saugen und eventuell auch besser kochen sollte. In die gleiche perfide Schublade gehört diese Hängebrücke. Anstatt einem grossen, den 300 Jahren angemessenen goldenen Obelisken, aufgestellt am endlich zugeschütteten Scheidgraben, schenken wir uns einen Gebrauchsgegenstand. Eine Outdoor-Wanderhilfe, die uns ermahnt, dass wir uns öfter bewegen und nicht länger faul herumliegen sollten. Wird nun die Hängebrücke trotz heftigem Widerstand aus allen Kanälen doch noch gebaut, dann bleibt uns nichts anderes übrig, wie sie in unsere Herzen aufzunehmen und ihr zumindest platonisch jenen Respekt zu zollen, den diese 300 Jahre von ihr und von uns fordern. Öffnen wir dann die Augen für eine gewaltige architektonische Meisterleistung, mit welchen sich die Betonpfeiler wuchtig in unsere geliebten Berge stemmen, um mit den ehernen Stahltrossen mutig und kühn eine gewaltige, von Gottes mutiger Hand erschaffene Bergeschlucht zu spannen, damit sich Blut und Mut der Ober- und der Unterländer endlich finden und sich nie mehr trennen mögen. Rülps.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung