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Leserbrief

Welche Wut in meinem Ranzen? Teil zwei

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 15. Oktober 2016

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In ihrem Kommentar mit der Überschrift «Woher die Wut», schreibt Frau Doris Quaderer gestern (Donnerstag, Anm.) unter anderem, sie hätte mir gesagt, ich solle weniger schreiben und dabei über der Gürtellinie bleiben. Frage ich mich, welche Gürtellinie meinte sie? Die ihre, die meine, oder die jener Moral, die sie sich nach Gutdünken aussucht und nach welcher ich mich dann zu richten hätte? Weiter findet sie erwähnenswert, dass die Anzahl meiner Leserbriefe für einen «Nichtabonnementen» sehr viele wären. Würde das nun bedeuten, dass wenn ich das «Volksblatt» abonniere, ich weniger der Zensur zum Opfer fallen würde, mehr schreiben dürfte und eventuell meinen Gürtel etwas tiefer hängen könnte? Gut, wenn das «Volksblatt» mit der Öffnung der Meinungsfreiheit und der Lockerung der Gürtel an Neuabonnementen kommt, ist das als schlaue Strategie in Kenntnis zu nehmen.
Am Schluss ihres Pamphlets legt sie mir an mein Herz, ich solle doch für den Landtag kandidieren, dort könne ich dann direkt politisch mitgestalten. Nun, das ist ein gar dümmliches Totschlagargument. Das Land hat 36 925 Einwohner. Im Landtag sitzen mit dem Ersatz 37 davon. Heisst das nun in der Logik von Frau Quaderer, dass nur diese paar Wenigen das Land politisch gestalten können und die restlichen 36 888 Hansel das Maul halten und sich aus der Politik heraushalten sollten? Oder legt sie die Aufnahme in den Landtag als Messlatte und attestiert jenen, welche nicht dort drinnen hocken, Idiotismus, die keine eigene Meinung und vor allem keine Leserbriefe zu schreiben haben? Eine doch recht seltsame Denkweise, aber passend in die heutige Zeit.
Die Menschen wenden sich immer mehr ab von der Politik und überlassen ihr unhinterfragt das Ruder. Dabei vergessen sie, dass die Politiker von ihnen gewählt wurden, um dem Volke, also ihnen, zu dienen, für sie da zu sein und auf ihre Stimmen hören sollen. Immer mehr werden die gewählten Politiker zu jenen Mimosen und ewig Beleidigten, mit welchen unter diesem Auseinanderdriften das gemeinsame Ziel nicht zu erreichen ist. Und wieder muss die Aussage von Regierungschef Halser einfliessen, der sagte: «Gewisse Leserbriefschreiber würden immer alles nur vernüten.»
Um mit dem nun Verstorbenen Dario Fo zu enden: Auf die Frage, ob es keine linke oder rechte Satire gibt, sagte Fo: «Satire ist Satire und hat nichts mit Propaganda zu tun. Satire ist das schlechte Gewissen der Macht. Wer auch immer regiert, er wird automatisch zur Zielscheibe der Satire.»

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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