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Leserbrief

Den «schwarzen Peter» gebe ich gerne weiter

Dr. med. Rainer Wolfinger,Landstrasse 107, Vaduz | 14. Oktober 2016

Gynäkologen-Engpass

Dass nun die Schuld am Versorgungsengpass im Bereich Gynäkologie von einigen Exponenten via Medien mir in die Schuhe geschoben wird, ist nicht weiter verwunderlich, weise ich allerdings mit aller Entschiedenheit zurück.
Der Zeitpunkt der Kündigung des OKP-Vertrages hat rein gar nichts mit der Versorgungslücke in den Monaten November und Dezember zu tun. Dies hätte nur durch eine lückenlos geregelte Nachfolge meiner Praxis vermieden werden können. Dies war ja auch meine Absicht und ich habe mich um eine Lösung sehr bemüht, wurde jedoch nicht unterstützt. Mit dem Ende der OKP-Zulassung dürfen keine Leistungen mehr über die OKP abgerechnet werden. Dies wurde mir natürlich unverzüglich vom LKV mitgeteilt. Es sollte eigentlich nachvollziehbar sein, dass es eine gewisse Zeit beansprucht, eine Praxis ordnungsgemäss aufzulösen, Behandlungsfälle abzuschliessen, Korrespondenzen zu erledigen und Rechnungen zu stellen. Arbeiten bis zum letzten Tag der OKP-Zulassung geht nicht. Deshalb Aufgabe der Praxistätigkeit Ende Oktober, Verzicht auf OKP erst Ende Jahr. Erst dann darf jedoch die neue OKP-Inhaberin/der neue OKP-Inhaber die Praxistätigkeit aufnehmen. Meinerseits wird dies weder verzögert noch verhindert. So ist nun mal die jetzige Regelung. Die ganze Problematik wird dadurch noch verschärft, dass die meisten der noch zugelassenen 5 Gynäkologinnen/Gynäkologen nicht zu 100 Prozent arbeiten und keine neuen Patientinnen mehr nehmen.
Dass es zu Problemen kommen wird, war absehbar und wurde meinerseits, wie auch die Praxisschlies-sung in diesem Jahr, den entsprechenden Entscheidungsgremien bereits vor Monaten kommuniziert. Die ganze Misere hängt einzig und allein mit der unsinnigen, beispiellosen Nachfolgeregelung zusammen. Nicht einmal eine Übergabe der Praxis an das eigene Kind wäre möglich!
«Die Krankenversicherer handeln nun im Interesse der Sicherstellung der Gesundheitsversorgung für die Versicherten schnell und unkompliziert»: Zitat aus der Pressemitteilung des Liechtensteinischen Krankenkassenverbandes. Rührend und überraschend zugleich, was doch alles plötzlich möglich ist. Allerdings erst nach zahlreichen Anrufen von Frauen bei der Ärztekammer und beim Krankenkassenverband, ermutigt durch mich. Es hätte aber aus meiner Sicht auch noch eine andere, bessere Lösung für die Patientinnen gegeben, wenn schon keine lückenlose Weiterführung der Praxis ermöglicht wird: unbürokratisch meiner designierten Nachfolgerin im Bereich OKP, welche allerdings nur zu 50 Prozent arbeitet, bereits jetzt die Zulassung zu erteilen und zusätzlich eine 100-Prozent-Stelle auf den 1. Januar 2017 auszuschreiben. Aus meiner Sicht ist der Bedarf schon heute mehr als nur ausgewiesen. Eine Überarbeitung der Bedarfsplanung generell ist dringend nötig.
Damit soll es nun aber auch genug sein zu diesem insbesondere für die Patientinnen leidigen Thema.

Dr. med. Rainer Wolfinger,
Landstrasse 107, Vaduz

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