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Leserbrief

Wundervolle Rheinaufweitungen

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen | 4. Oktober 2016

Rheinaufweitungen

Ende letzter Woche schrieb die Werkstatt Faire Zukunft in einem Leserbrief von grössten Vorteilen der geplanten Flussaufweitungen am Rhein. Es sollen damit, zitiert, «wunderbare» Erholungszonen geschafften werden, natürliche Lebensräume sollen «wunderbare» Vielfalt für Tier und Pflanzen entstehen lassen, gleichzeitig soll die Hochwassersicherheit noch wesentlich erhöht werden. Einzig der Verlust an Kulturland wird als Einschränkung erwähnt, dieses könne aber durch Waldrodungen zur Gewinnung von Landwirtschaftsland andernorts kompensiert werden. Diese einseitige Darstellung muss kritisch hinterfragt werden.
Nach Vorstellung der Initianten könnte zum Beispiel in Nendeln an einer Hanglage der bestehende Wald gerodet werden und der abgetragene Humus aus der geplanten Flussaufweitung in der Eschner Au könnte dort neu aufgeschüttet werden. Bestes Ackerland am Rhein würde verloren gehen, als Ersatz müsste schwierig bearbeitbares Wiesland in ansteigender Hanglage genügen, das im besten Falle zur Heuernte und Viehweide genutzt werden könnte. Ob aber nicht viel eher der aufgeschüttete sandhaltige Humus aus den Auenböden der Aufweitung in kurzer Zeit weg erodieren würde und nur minderwertiges Weideland für Rinder und Schafe übrig bliebe, sei dahingestellt. Erstaunlich ist, wie der sonst hehre Schutz von Wald, der in Siedlungsnähe wertvolle Naturräume darstellt, im Falle von Rheinaufweitungen zurückstehen und Wald dafür geopfert werden soll.
Beim Thema Hochwassersicherheit ist gemäss Informationen vom Amt für Bevölkerungsschutz der Rheindamm abschnittsweise sanierungsbedürftig, um höchsten Extremwassern standzuhalten. Im Falle der Eschner Au würde die Aufweitung aber genau in einen Bereich fallen, in dem der heutige Rheindamm in sehr gutem Zustand und daher kaum sanierungsbedürftig sein wird, ebenso im Bereich einer angedachten Aufweitung im Bereich der Rheinbrücke in Balzers. Mit diesen Aufweitungen könnten also keineswegs die notwendigen Rheindammsanierungen erspart werden, wie im Leserbrief angegeben. Im Gegenteil, im Übergangsbereich am Ende der Aufweitung in den bestehenden Rheindamm müsste dieser wohl eher noch verstärkt werden, um möglicher Dammerosion durch Wirbelbildung bei Extremwasser einzudämmen.
Weiter führen die Initianten der Aufweitungen an, dass ein Anteil der Baukosten durch Verkauf von ausgebaggertem Kies aus den Aufweitungen gedeckt werden könnte. Wozu werden so grosse Mengen Flusskies benötigt? Vornehmlich für den Strassenbau. Genau dieselben Personenkreise gehören aber zum Teil zu den vehementesten Gegnern jeglicher neuen Strassenbauprojekte. Die Argumentation mit dem Kiesverkauf scheint sich also in Realität ziemlich zu «beissen».
Am Ende sei noch angeführt, dass Liechtenstein mit den bestehenden Rheindämmen schon sehr wertvolle, rege und vielseitig benutzte Naherholungsräume hat, um die uns anderen Regionen beneiden. Ob dereinst in diesen Aufweitungen, die mit naturnahen Lebensräumen für «wunderbare» Vielfalt der Tiere und Pflanzen sorgen sollen, gleichzeitig gebadet, gegrillt und anderweitig von der Bevölkerung genutzt werden können, oder nicht vielmehr auf Druck von Umweltverbänden dann zu kaum zugänglichen «Naturschutzreservaten» erklärt würden, sei auch dahingestellt.

Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

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