Leserbrief

Warum löst die Kitafinanzierung solche Emotionen aus?

Helen Marxer,Floraweg 19, Vaduz | 15. September 2016

Es gibt zahlreiche Familien, die auf eine Kita angewiesen sind, weil ein Lohn einfach nicht ausreicht oder weil sie alleinerziehend sind und keinen Ernährer haben, oder weil die Alimente nicht ausreichen. Eine Kita brauchen auch viele Frauen und Männer, die gerne einer Erwerbsarbeit nachgehen, weil sie ihren Beruf nicht aufgeben wollen. Ein Bein im Beruf zu behalten, dient übriges der Existenzsicherung, denn bei einer Scheidungswahrscheinlichkeit von 50 Prozent kann es auch Familienfrauen passieren, dass sie eine Kita brauchen. Kitas werten Mütter, die ihre Kinder ohne Kitas betreuen, nicht ab.
Warum löst nun eine Finanzierung der Kitas durch die FAK, gespeist von den Arbeitgebern, also nicht vom Staat, solch massive Reaktionen aus?
Warum fühlen sich Paare, die das traditionelle Familienmodell gewählt haben, angegriffen und greifen Familien an, die ein anderes Modell leben? Statt den fehlenden zweiten Lohn zu beklagen, könnten sie doch einmal die Vorteile ihrer Wahl sehen, bei der sie möglicherweise weniger Stress haben als berufstätige Eltern, die ihre Kinder «verstellen» müssen. Wenn ein Lohn ausreicht, ist das doch prima.
Ich kann verstehen, dass Tagesmütter, die wenig verdienen und keine Unterstützung in dieser Vorlage erhalten, enttäuscht sind. Müssen sie deshalb gleich gegen diese Vorlage stimmen? Was haben sie davon, wenn die Kitas nicht unterstützt werden? Ihre Chance auf Unterstützung ist besser, wenn die Initiative Familie und Beruf angenommen wird, weil anerkannt wird, dass es eine ausserhäusliche Betreuung braucht. Die Wirtschaftskammer hat mehrmals versprochen, dass die Kitas nur der Anfang seien und dass das Angebot ausgebaut werden müsse.
Die Initiative «Familie und Beruf» hat viele Vorteile: Endlich würden die dringend gebrauchten Krippenplätze unterstützt.
Ferner würden junge Frauen besser- gestellt, denn die Krankentaggelder bei einer Schwangerschaft würden nicht mehr von der Krankentaggeldversicherung bezahlt. Dadurch stellen sie kein finanzielles Risiko für einen kleinen Betrieb mehr dar. Ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz würden deutlich besser, da es für den Arbeitgeber keinen Grund mehr gäbe, wegen einer möglichen Schwangerschaft, einen Mann einer Frau vorzuziehen. Mit genügend Krippenplätzen wäre es auch einfacher, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.
Aber weil es einigen nicht passt, dass Frauen berufstätig sein wollen, stimmen sie nein. Andere sind dagegen, weil sie ihr Familienmodell infrage gestellt sehen. Wieder andere finden, die Frauen sollen selbst zu ihren Kindern schauen. Einige sagen nein, weil die Arbeitgeber ebenfalls profitieren.
Ich bitte alle, auch jene, denen ein Detail in der Vorlage nicht passt, JA zu stimmen. Wenn diese Vorlage an der Urne scheitert, wird sich lange nichts bewegen. Das wäre schade, denn an sich ist es unbestritten, dass es familienergänzende Betreuungseinrichtungen braucht.

Helen Marxer,
Floraweg 19, Vaduz

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