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Leserbrief

Denk mal, dann wirds kein Mahnmal

Amon Marxer,Eschen | 22. Juli 2017

Vielleicht ist das mit 38 schon die einsetzende Altersmilde, aber persönlich kann ich mich schlicht nicht über das Projekt Jubiläumsbrücke aufregen, das gegenwärtig die Gemüter zu erhitzen scheint. Weil es für mich Wichtigeres gibt, weiss ich zugegebenermassen auch wenig darüber, ausser, dass die Kosten auf 1,2 Millionen veranschlagt sind, sie zur 300-Jahr-Feier gebaut wird und Teil eines die Gemeinden verbindenden Fusswegs sein soll.
Tatsächlich habe ich Verständnis dafür, dass angesichts des zu feiernden Jubiläums das Bedürfnis besteht, etwas Bleibendes in die Landschaft zu setzen, an das man eine Plakette hängen kann. Als zurückgekehrter Eschner schaue ich gerade zu, wie für etwa denselben Preis ein Loch im Dorfzentrum gegraben wird und erinnere mich dabei an das noch vielfach teurere, fast neue Postgebäude, welches gleich daneben vor nicht allzu langer Zeit abgerissen und durch ein anderes Bauwerk ersetzt wurde.
Dagegen erscheinen mir die auf die Gemeinden verteilten Kosten für die Brücke ziemlich moderat. Eine kleine Brücke in einem riesigen Wald wird diesen auch nicht gleich in ein ökologisches Katastrophengebiet verwandeln. Ausserdem ist die zur Begründung angeführte Symbolik eines die Gemeinden verbindenden Elements nicht abwegig im Vergleich zu dem Unsinn, den sich unsere staatlich alimentierten Künstler zuweilen aus den Fingern saugen, um irgendeinem trivialen Objekt, das sie im Dorf direkt oder indirekt steuerfinanziert aufstellen wollen, einen pseudo-intellektuellen Unterbau anzudichten. Kurz: Die Brücke scheint mir ein vergleichsweise sinnvolles Projekt zu sein.
Nur einen Wunsch hätte ich: Bitte baut das Ding nicht aus Holz oder aus nicht witterungsbeständigen Ziegelsteinen, sondern aus Materialien und in einer Form, die die Aufrechterhaltungskosten niedrig halten. Wenn ich mich nämlich alle paar Jahre über die Reparaturkosten aufregen muss, werde ich dereinst eine Initiative lancieren, die den Abbruch der Brücke zum Ziel haben wird. Dies aus Rücksicht auf unser aller Nerven und weil das ein besonders einprägsames Lehrstück für die Politik wäre. Wir brauchen nicht auch noch eine marode Brücke. Ein vor sich hin bröckelndes Landtagsgebäude reicht schliesslich als Mahnmal der Inkompetenz und liegt dankenswerterweise direkt an der Quelle. Anders als bei einer Brücke im Wald haben Abgeordnete dort die Folgen vergangener Fehlentscheidungen direkt vor Augen, wenn ihnen nicht gerade der Ziegelstaub in die Pupillen bröselt.

Amon Marxer,
Eschen

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