Leserbrief

Diskutieren wir hier über Familienmodelle?!

Dr. Christina Zimmer,Fürst-Franz-Josef-Strasse 46, Mauren | 13. September 2016

Das Gras ist immer grüner auf der andren Seite des Zauns – liebe Frau Tichy, interessant, dass Sie anscheinend herauslesen können, wie meine Haltung betreffend Hausfrauen/Müttern (müsste es nicht auch Hausmänner/Väter heissen?) ist. Insbesondere, da wir uns nicht kennen und Sie meine Einstellung daher absolut nicht einschätzen geschweige denn beurteilen können. Es geht um eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Diskussion dreht sich um eine Mitfinanzierung der Kinderbetreuung in Kitas. Es geht nicht um die Förderung von Familie als Beruf, also um Hausfrauen oder Hausmänner. Es steht Ihnen frei, eine Initiative zu lancieren, um dieses Thema abzudecken. Mit einem Nein zur vorliegenden Initiative verbessern Sie diese Situation jedoch nicht. Interessanterweise hat vor zwei Regierungsperioden die damals zuständige Regierungsrätin eine Erhöhung des Kindergelds vorgeschlagen und gefordert (nachzulesen z. B. in der «Volksblatt»-Ausgabe vom 15. Mai 2008). Diese Massnahme wurde abgelehnt. Aber zurück zum Thema: Sie haben recht: Mit einem Nein verhindern wir nicht, dass auch Kita-Plätze von gut verdienenden Eltern/Familien unterstützt werden. Aber der Hauptgedanke ist, einkommensschwache Familien zu unterstützen, genügend Kita-Plätze zu haben und die Vereinbarkeit für beide Elternteile – kurzum, generell die Rahmenbedingungen zu verbessern. Gut verdienende Eltern sind auch heute in vielen Bereichen bevorteilt, sie erhalten gleich hohe Kindergelder und Geburtenzulagen wie Schlechtverdiener. Was Sie aus-serdem nicht bedenken: Die Preise in fast allen KiTas sind einkommensabhängig. Somit bezahlen die Gutverdiener einen Teil des Platzes der Schlechtverdiener mit. Dies nennt sich Solidaritätsprinzip. Das Beispiel, das Sie nennen, ist bezeichnend, denn Erwerbstätige in derartigen Positionen haben wohl eher Hausangestellte (Nannys, Au- pairs), die auch Krankheitsfälle oder aussertourliche Situationen (Meetings, Geschäftsessen, Geschäftsreisen) abdecken. Und bitte vergessen Sie nicht, dass es nicht nur Eltern gibt, die sich vollumfänglich der Familienarbeit widmen möchten, sondern auch solche, die gerne Voll- oder Teilzeit erwerbstätig sind. Bei Vätern stellt die (in der Regel 100-prozentige) Erwerbstätigkeit im Übrigen niemand infrage! Ausserdem ist absolut nicht gesagt, dass die Kinder von Montag bis Freitag von 6 bis 18 Uhr in eine Kita «gesteckt» wer-den. Die Wahl eines Familienmodells bedeutet also nicht automatisch die Abwertung eines anderen Modells.

Dr. Christina Zimmer,
Fürst-Franz-Josef-Strasse 46, Mauren

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