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Leserbrief

Irgendetwas mache ich da falsch!

Kastriot Xhoxhaj,Schwefelstrasse 10, Vaduz | 24. August 2016

Xenophilie

Ich mache keine Witze über andere Religionen oder Minderheiten. Ich verehre die Iren für ihre Geselligkeit, die Italiener für ihre Lebensfreude und den Papst für seine Bescheidenheit. Ich nehme kein Heroin und halte Alkohol durchaus für moralisch vertretbar. Ich habe kein Maschinengewehr – welches übrigens circa 150 Euro kosten würde, noch Raketenwerfer, über deren Preise sie sich bei der euroamerikanischen Rüstungsindustrie informieren können, aber ganze acht Paar Schuhe. Ich habe 28 Zähne und nur eine Frau. Mit was ich meinen Hintern putze, geht niemanden etwas an. Und entgegengesetzt der allgemeinen Meinung, bin ich weder beleidigt noch halte ich Ihren Lesebrief für rassistisch, sondern vielmehr für ein Plagiat – 1:1 kopiert vom US-amerikanischen Komödianten Jeff Foxworthy.
Nun aber mal ernsthaft. Ich habe im Alter von neun Jahren mehr Elend, Grausamkeit, Tod und Verderben gesehen und erlebt, als Sie es sich in Ihren kühnsten Träumen vorstellen könnten. Und alles, was mich damals davon abhielt durchzudrehen, war mein Glaube an Gott. Denn die Menschen haben vor 16 Jahren einfach versagt. Es haben jene christlichen Priester versagt, die die Waffen von Paramilitärs gesegnet haben, genauso wie die Politiker, die versuchten, etwas zusammenzuhalten, das, nie zusammen zu gehören, bestimmt war. Und es schmerzt mich tagtäglich, zu sehen, wie Menschen immer noch versagen, und Unschuldige den bitteren Preis zahlen für die Verbrechen jener Kolonialherren, die die Grenzen willkürlich mit dem Lineal zogen. Es schmerzt mich, dass nach und nach alle Verwandten an Krebs sterben, weil die NATO 1999 an 72 Tagen meine Heimat mit Uranmunition bombardiert hat. Es schmerzt mich jeden Tag, mit platten Sprüchen über meine Religion und meine Herkunft konfrontiert zu werden. Aber ich sage Ihnen eins: Ich bin stolz auf meinen Abstammung und Religion und bin der lebende Beweis, dass man gerade wegen diesen Qualitäten eine Bereicherung für jede westliche Gesellschaft sein kann! Nichtsdestotrotz wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit in Schweden!

Kastriot Xhoxhaj,
Schwefelstrasse 10, Vaduz

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