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Leserbrief

Gewaltprävention beginnt in der Kinderstube

Margot Sele, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche | 20. August 2016

«Familie und Beruf»

Die schrecklichen Gewalttaten in Frankreich, Deutschland und nun auch ganz in unserer Nähe haben uns wohl alle aufgeschreckt. Man fragt sich, wie es soweit kommen kann, dass Menschen solche Taten begehen. Oft stellt sich heraus, dass der Täter ein Aussenseiter war. Unauffällig. Einer, der sich verletzt aus der Gesellschaft zurückgezogen hat, weil er ausgegrenzt und gemobbt wurde. Psychologen sagen, dass dies – allerdings in seltenen Fällen – in Macht- und Rachephantasien und schliesslich in einer Gewalttat münden kann. Personen, die ausgegrenzt und gemobbt werden, erfahren viel Leid. Kinder werden davon für ihr ganzes Leben geprägt und tragen schwer an dieser Last, auch wenn die allermeisten dadurch keine Amokläufer werden. Was können wir tun? Abwerten und Ausgrenzen sind Formen von Gewalt, die weitere Gewalt hervorrufen können. Sich dies bewusst zu machen ist ein erster Schritt, beherzt einzugreifen ein weiterer.
Gewaltprävention beginnt jedoch schon in der Kinderstube, zum Beispiel mit gewaltfreier Kommunikation in Elternhaus und Schule. Dabei geht es um einen wertschätzenden Umgang miteinander, um Empathie und Kooperation. Kinder die sich in ihrer Persönlichkeit wahr- und ernstgenommen fühlen, können innerlich stark werden. Auch wenn Eltern sich dessen bewusst sind, gibt es einige Hürden zu überwinden. Eine davon ist die chronische Überlastung vieler junger Eltern, die den Spagat zwischen Familie und Beruf machen müssen. Richtet man den Fokus auf das Wohl der Kinder und ihrer Familien, müsste unsere Gesellschaft eigentlich Möglichkeiten für mehr «Elternzeit» schaffen – ganz besonders im ersten Lebensjahr des Kindes. Ein Elternurlaub von sechs Monaten, den sich die Eltern untereinander aufteilen könnten, wäre aus meiner Sicht das Minimum.
Nächstens stimmen wir über die Initiative «Familie und Beruf» ab. Obwohl auch ich eine Verbesserung in der ausserhäuslichen Kinderbetreuung und somit eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig finde, scheint mir doch, dass hier das gute Funktionieren unserer Wirtschaft im Vordergrund steht. Natürlich ist das ein wichtiger Punkt, doch Massnahmen zum Wohl unserer Kinder sollten den gleichen Stellenwert haben. Und dafür benötigen Eltern mehr «Elternzeit».

Margot Sele, Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche

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