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Leserbrief

Energiewende geht zu langsam voran

Solargenossenschaft Liechtenstein | 8. Juli 2016

Energiestatistik 2015

Ein Blick auf die am Mittwoch veröffentlichte Energiestatistik 2015 zeigt ein gemischtes Bild: Beim ersten Teilziel der Energiestrategie 2020, den Energieverbrauch durch Effizienzmassnahmen zu stabilisieren, scheint Liechtenstein auf Kurs. Im vergangenen Jahr hat sich der Energieverbrauch beziehungsweise -import in Liechtenstein gegenüber dem Vorjahr erneut verringert. Aufgrund der starken Schwankungen ist es zwar schwierig, einen eindeutigen Trend zu identifizieren. Im vergangenen Jahr beispielsweise führten zwei von Liechtenstein nicht zu beeinflussende Faktoren – der niedrigere Euro-Kurs und der strengere Winter – bei den Treibstoffverkäufen beziehungsweise beim Bezug von Heizöl und Erdgas zu enormen Veränderungen des Absatzes von bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die sich in diesem Fall beinahe gegenseitig aufgehoben haben. Die teilweise hohen Wachstumsraten in den 1990er-Jahren von bis zu 9 Prozent über alle Energieträger hinweg, unterbrochen durch nur leichte Rückgänge, scheinen aber der Vergangenheit anzugehören.
Dem zweiten Teilziel, bis 2020 mit heimischen erneuerbaren Energiequellen 20 Prozent des Energiebedarfs zu decken, hinkt Liechtenstein aber deutlich hinterher. Derzeit beträgt die Eigenversorgungsquote 9.8 Prozent. Zwar ist in den vergangenen Jahren einiges erreicht worden. Seit 1990, dem Basisjahr des Kyoto-Protokolls, ist die Eigenproduktion aus einheimischen erneuerbaren Energiequellen – Wasserkraft, Photovoltaik, Brennholz, Biogas und Sonnenkollektoren – durchschnittlich um rund 2.5 Prozent pro Jahr gestiegen. Doch dieses Wachstum reicht nicht aus, um das Ziel von 20 Prozent bis 2020 auch nur annähernd zu erreichen. Werden die Anstrengungen nicht verstärkt, wird dies eher erst 2035 der Fall sein. Zusammen mit der Nutzung von Fernwärme aus Kehricht konnte nur gerade eben der Zuwachs beim Energieverbrauch seit 1990 kompensiert werden.
Weiterhin auf Elektrizität aus Atomkraft zu setzen, mag zwar zum dritten Teilziel der Energiestrategie, den Treibhausgasausstoss bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken, beitragen. Eine nachhaltige Lösung ist es jedoch nicht, das eine Umweltproblem zu vermeiden, indem es durch ein anderes ersetzt wird.
Umweltlasten, die die heutige Generation den künftigen Generationen hinterlassen, wiegen nicht weniger schwer als eine Schuldenlast des Staates. Um letztere zu vermeiden, hat die Regierung grosse Anstrengungen unternommen und dem Volk einiges abverlangt. Es wäre zu begrüssen, wenn Regierung und Landtag bezüglich Energiewende ebenso entschieden handeln und auch teilweise unpopuläre Standpunkte vertreten würden. Noch ist das Handeln zu zaghaft, noch besteht zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke. Doch das Erreichte stimmt zuversichtlich, dass noch mehr möglich ist.

Solargenossenschaft Liechtenstein

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