Leserbrief

Unabhängige Ärzte

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 1. Juli 2016

Gesundheitswesen

Seit 1. Januar 2012 ist das DRG-System in der Schweiz und Liechtenstein installiert. DRG steht für Diagnosis Related Groups – zu Deutsch «diagnosebezogene Fallgruppen». Bisher verrechneten die meisten Spitäler die getätigten Dienstleistungen: Die eine Patientin liegt z. B. nach einer Blinddarmoperation vier Tage im Spital, die andere zehn, weil es Komplikationen gab – folglich verrechnet das Spital je nach Aufwand und Patientin weniger oder mehr. Das ist mit dem DRG-System vorbei: Künftig erhält das Spital eine Pauschale für die Kosten, die ein Blinddarm in der entsprechenden Fallgruppe im Durchschnitt verursacht.
Mit dem DRG-System werden die Spitäler als Konkurrenten gegeneinander antreten müssen. Somit beginnt bei den Spitälern die Jagd nach den guten Risiken: Junge, ansonsten gesunde BlinddarmpatientInnen sind, betriebswirtschaftlich betrachtet, gute PatientInnen – weil sie das Spital schnell verlassen und nicht viel kosten, womit dem Spital mehr von der Pauschale bleibt. Alte und chronisch Kranke sind hingegen schlechte PatientInnen, weil sie viel Arbeit bescheren und mehr kosten, als die Pauschale hergibt.
«Die Wettbewerbssituation zwingt uns, effizient und wirtschaftlich zu arbeiten», heisst es im Jahresbericht des Landesspitals.
Ob der Einzelne nun für oder gegen dieses System ist, sei dahingestellt, es ist Parlamentsbeschluss und nicht von den «Schwarzen Schafen» zur eigenen Geldvermehrung initiiert. Für mich allerdings kein Grund, an unabhängigen Ärzten in unserem Land zu zweifeln, das ist dann doch sehr zu kurz gegriffen und nichts weiter als Populismus. Die Ärzte, die ich hier kenne, arbeiten mit bestem Wissen und Gewissen zum Wohle des Patienten, haben nichts gegen Zweitmeinungen, im Gegenteil; dass sie allerdings für ihren täglichen, unermüdlichen Einsatz honoriert werden, versteht sich wohl von selbst!

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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