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Leserbrief

Rheinaufweitungen und Hochwasser

Werkstatt Faire Zukunft, Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) | 22. Juni 2016

Bedenken ernst nehmen

Nach den Hochwassern der vergangenen Tage haben sich zwei Leserbriefschreiber mit Bedenken bezüglich Rheinaufweitungen zu Wort gemeldet. Solche Bedenken gilt es, ernst zu nehmen. Die geäusserten Meinungen verkennen aber, dass die geplanten Rheinaufweitungen mehr Sicherheit gegen Hochwasser bringen, nicht weniger.
Die Gefahr der Verklausung – also des Verschlusses eines Fliessgewässer-Querschnittes infolge angeschwemmten Treibgutes – ist insbesondere bei einem engen Flussbett gegeben, zum Beispiel bei Brückenpfeilern. Es gibt in der Schweiz diverse Beispiele, wo Verklausungen an Engstellen zu Problemen führen (Saltina, Vispa, Goldach etc.).
Die Beobachtung der Schwemmholzdynamik an grossen verzweigten Flüssen zeigt hingegen, dass Hochwasserschäden seltener auftreten, wenn mehr Breite zur Verfügung steht. Othmar Züger beschreibt ein völlig unrealistisches Szenario, in dem er annimmt, dass quasi eine Schwemmholzwand gebildet werde, die zum Stausee und folglich Schwemmholz-Dammbruch führen werde. So etwas gab es an Flüssen mit genügend breitem Bett nie.
Im Flussbett werden sich da und dort Bewuchsgruppen unterschiedlicher Altersstadien ausbilden. Die Vegetation variiert deshalb in ihrer Höhe stark und ist lückig im Flussbett verteilt, das nach der Aufweitung doppelt oder dreimal so breit ist wie vorher. Es kommt nie auf der ganzen Breite zu einem Bewuchs mit hohen Bäumen, hier ist die Schilderung von Herrn Züger sehr weltfremd.
Es ist aber richtig, dass aufkommender Bewuchs die Abflusskapazität in Ausnahmefällen reduzieren kann. Auenstrukturen werden in die Aufwertungspläne so miteingeplant, dass die Aufweitungsflächen die Wassermassen, mit welchen auch bei seltenen Hochwasserereignissen zu rechnen ist, ableiten können. Zudem wird der Bewuchs nicht einfach sich selbst überlassen. Er wird von Profis beobachtet und bei Bedarf greifen diese regulierend ein.
Es gibt in der Schweiz und anderen Ländern viele gelungene Beispiele von Gewässerrevitalisierungen. Solche Aufweitungen werden professionell geplant und nach der Realisierung überwacht. Die Verantwortlichen können eingreifen und den Bewuchs regulieren, wo das erforderlich ist. Die heutigen Dämme sind über 130 Jahre alt, sie sind unsicher geworden. Die liechtensteinische Regierung hat mitgeteilt, dass die Sanierung in den nächsten 20 Jahren 50 Millionen Franken kosten wird. Wenn man nun dem Fluss mehr Raum gibt und weiter ins Land versetzte neue, nach heutigem Wissen konstruierte Dämme aufbaut, dann haben wir eindeutig mehr Sicherheit und nicht weniger.
Schauen wir den Tatsachen ins Auge, packen wir die Aufweitungen an. Sie werden professionell geplant und umgesetzt, für schönere Erholungslandschaften und für mehr Natur. Und für eine bessere Hochwassersicherheit.

Werkstatt Faire Zukunft, Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU)

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