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Leserbrief

Hochwasser in «revitalisierten» Rheinaufweitungen

Othmar Züger, Aeulegraben 32, Triesen | 20. Juni 2016

Hochwasser

Die sehr intensiven Regenfälle am letzten Donnerstag liessen den Rhein in nur einer Nacht auf Hochwasser-Niveau anschwellen. Im Minutentakt trieben grössere Bäume den Fluss hinunter, begleitet von einer Unzahl von Baumteilen und Büschen. Aus Anlass dieses Ereignisses stelle man sich mal vor, was bei einer der vorgesehenen, von Umweltkreisen mit viel Natur-Romantik dargestellten Flussaufweitungen mit üppigem Baumwuchs passieren könnte, wenn ein viel grösseres Extremhochwasser eintreten würde, wie es statistisch einmal in 100–200 Jahren vorkommen könnte. Noch weit grössere Mengen an Bäumen und Schwemmholz könnten im Baumbewuchs solcher Flussaufweitungen hängen bleiben und sich stauen. Der Druck auf diese Stauungen würde mit jedem weiteren Stamm ansteigen, bis irgendwann der Baumwuchs dem Druck nicht mehr standhalten könnte und der ganze Rückstau samt Baumwuchs der Aufweitung plötzlich flussabwärts mitgerissen würde. Am Ende der Aufweitung müsste sich diese Menge wieder in den engeren Flusslauf zwischen den beiden Rheindämmen zwängen, womit diese zu einer regelrechten Flutwelle werden könnte. Der Rheindamm würde einer höchsten Belastung ausgesetzt, die es ohne Flussaufweitung nie gäbe. Sollte der Rheindamm dem Druck noch standhalten, triebe die ganze Flutmenge flussabwärts weiter, bis sie beim nächsten Hindernis, wie einer Brücke, erneut aufstauen könnte, mit einer möglicherweise noch gefährlicheren Rückstauung.
Mit diesem hoffentlich nie eintretenden Szenario soll veranschaulicht werden, dass eine Flussaufweitung keineswegs unbestritten zur Hochwassersicherheit beitragen muss, sondern im Gegenteil, sie kann sogar zu einer neuen Hochwassergefahr werden. Das wussten unsere Vorfahren. Bis vor 150 Jahren konnten aus Geldmangel nur einzelne Rheinabschnitte im Bereich der Siedlungen durch künstliche Dämme geschützt werden. Kam ein grosses Hochwasser, hielten zwar die Dämme stand, doch sie konnten grosse Überflutungen ausgehend von unbefestigten Abschnitten nicht verhindern. Erst als man das Generationenprojekt des Baus von durchgehenden und begradigten Rheindämmen anging und unter damals grössten technischen und wirtschaftlichen Anstrengungen fertigstellte, konnte die Rheinnot weitgehend gebannt werden. Im Jahre 1927 kam es bei einem Extremhochwasser trotzdem nochmals zu einer Überflutung von weiteren Teilen des Unterlands. Die Ursache war genau eine solche immer grösser werdende Rückstauung durch grosse Mengen von Treibholz, die an der alten Eisenbahnbrücke in Schaan hängen blieben, bis der Rheindamm an einer geschwächten Stelle brach. Kein Wunder also, dass noch bis vor Jahren die Regel gelebt wurde, an und zwischen beiden Rheindämmen keinerlei Baumwuchs zuzulassen. Diese Regel scheint in Vergessenheit zu geraten, selbst staatliche Amtsstellen glauben heute, dass Fluss-aufweitungen mit ganzen Baumbeständen anzustreben seien und sprechen dabei von einem Zukunftsprojekt, einzelne Politiker gar von einem «Generationenprojekt». Man täte wohl gut daran, das Generationenprojekt des heutigen Rheindamms wieder ernster zu nehmen und nicht als Bauwerk aus einer anderen Zeit abzutun, wo es zu unserem eigenen Wohl nicht hingehört.


Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

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