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Leserbrief

Traditionelle Häuser besser schützen

VorstandVerein Pro s’Hagen-Huus z’Nendla | 10. Juni 2016

Madleni-Hus Abstimmung

Mit grossem Interesse blicken wir nach Triesenberg, wo sich in wenigen Tagen die Zukunft des Madleni-Hus entscheiden wird. Unsere traditionellen Häuser sind alles andere als vor Vernachlässigung und Verfall geschützt. Ganz im Gegenteil, seit Jahrzehnten werden Breschen in unser kulturelles Erbe geschlagen und vieles, allzu vieles, ist unwiederbringlich verschwunden. Obwohl sich die Gemüter erhitzen, wenn wieder ein historisches Gebäude der Spitzhacke zum Opfer fällt und ein Grossteil der Bürger unseres Landes den Verlust unserer Baukultur bedauert, mangelt es am Willen, ebendiese zu erhalten. Unser Verein, der sich die Revitalisierung des seit Jahren unbewohnten Hagen-Hauses in Nendeln zum Ziel gesetzt hat, setzt grosse Hoffnung auf die Triesenberger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Zu Recht gelten die Berger als traditionsbewusst; sie wissen, dass zum Erhalt ihrer kulturellen Eigenart, nicht nur die Pflege der Sprache erforderlich ist, sondern dass zur Wahrung ihrer Identität auch der Erhalt der Walser Baukultur gehört. Wir sind daher überzeugt, dass sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger für die Revitalisierung des Madleni-Hauses aussprechen werden. Das Madleni-Hus ist für unseren Verein von besonderer Bedeutung, gibt es doch sehr enge Beziehungen zwischen dem Triesenberger Haus und der denkmalgeschützten Hofstätte, die heute als „Hagen-Haus“ bezeichnet wird, an der Landstrasse in Nendeln. Das äusserlich zwar verwahrloste aber bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt im Wesentlichen unversehrt gebliebene Gebäude ist ein architektonisches Kleinod von landesweiter Bedeutung. Der klassizistische Bau mit seiner herausragenden Bauqualität war zu Zeit seiner Errichtung revolutionär für Liechtenstein. Jener Josef Alois Schlegel, der das Hagen-Haus 1837 errichten liess, war der Sohn von Franz Josef und Anna Maria Schlegel, also den Bauherren des heute so genannten Madleni-Hus. Josef Alois Schlegel (geboren 1814) wuchs in dem von seinen Eltern 1803 errichteten Haus Nummer 5 in Triesenberg auf. Er zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Lebensgeschichte aus. Josef Alois zog ins Unterland, erwarb in Nendeln Grund und Boden und liess Hofstätte errichten. Er erwarb nicht nur das Bürgerrecht von Eschen, sondern wurde auch Vorsteher dieser Gemeinde. Zudem vertrat er als Abgeordneter das Unterland im Landtag. Josef Alois war ein ebenso weitsichtiger wie geschäftstüchtiger Mann. Das ausgedehnte Anwesen baute er nicht irgendwo, vielmehr an der schon damals sehr wichtigen Verkehrsroute von Lindau nach Mailand. Die Bedeutung dieser Lage frühzeitig erkennend, gelang es ihm, dass 1864 in seinem Haus die erste «Postexpedition» des Unterlandes eingerichtet und ihm das Amt eines K.-u.-k.-Postmeisters verliehen wurde. Wollen wir wirklich, dass eines Tages all diese Bezüge nur noch aus Texten und Bildmaterial zu erschliessen sein werden, weil wir achselzuckend die Zerstörung hingenommen haben, weil wir tatenlos zugesehen haben, wie die real existierenden Stätten, in denen unsere Vorfahren gewirkt haben, verkommen, und Bauten, die Ausdruck ihrer handwerklichen Kunst sind, auf den Schuttdeponien landen? Nein! Sowohl in Triesenberg als auch in Nendeln haben wir die Chance, zwei herausragende Bauzeugen der Vergangenheit zu erhalten und sie mit neuem Leben zu erfüllen. Das ist Zukunft! Denn einer Gesellschaft, die nicht am Generationenstrom ihrer eigenen Vergangenheit anknüpft, droht ihrer Identität verlustig zu gehen und sich ihre Zukunft zu verbauen. Ein Ja zum Madleni-Hus bedeutet, dass die Bergerinnen und Berger ihrer Vergangenheit eine Zukunft geben. Das Bekenntnis zum Madleni-Hus wird beispielgebend über die Gemeindegrenzen von Triesenberg ausstrahlen, indem landesweit andere Bürgerinnen und Bürger ermuntert werden, sich für den Erhalt ihres eigenen kulturellen Erbes im Dorf einzusetzen. Unser Verein jedenfalls hofft auf das Vorangehen der Triesenberger. Ein positiver Entscheid freut uns für Triesenberg und er wird uns darin bestärken, uns weiterhin mit voller Kraft für das Hagen-Haus einzusetzen.

Vorstand
Verein Pro s’Hagen-Huus z’Nendla

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