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Leserbrief

Verbot der Doppelstaatsbürgerschaft aufheben

Helen Marxer, Floraweg 19, Vaduz | 6. Juni 2016

Diskussion

Beim Sammeln von Unterschriften für die Initiative, die will, dass sich die Krankenkassenprämien nach Einkommen und Vermögen richten, habe ich immer wieder Ausländerinnen und Ausländer getroffen, die gerne unterzeichnet und später bei der Abstimmung sehr gerne mitgeredet hätten.
Es ist ein echtes Problem, dass ein Drittel der Bevölkerung von Entscheidungen ausgeschlossen ist und also beispielsweise Steuern zahlt, aber nicht mitbestimmen darf, was damit geschieht. Besonders stos-send ist es für die Alteingesessenen, die schon jahrelang hier leben und von denen viele sehr Wertvolles für das Land geleistet haben, aber auch für die bestens integrierten ausländischen Ehepartner oder Ehepartnerinnen.
Die Hürden sind zu hoch. Zuerst müssen Einbürgerungswillige, die sich nicht einer Abstimmung unterziehen wollen, 30 Jahre warten bis sie erleichtert eingebürgert werden können und dann verlangt man noch, dass sie auf ihre angestammte Staatsbürgerschaft verzichten.
Dieses Doppelstaatsbürgerschaftsverbot ist sehr inkonsequent, denn es gilt nur für Leute, welche die liechtensteinische Staatsbürgerschaft erwerben wollen. Wer mit einem liechtensteinischen Pass geboren wird, kann ohne weiteres zwei oder mehrere andere Staatsbürgerschaften besitzen, ohne dass sie deshalb verdächtigt würden, weniger gute Bürgerinnen und Bürger zu sein oder dass dies jemanden stört. Das Verbot der doppelten Staatsbürgerschaft ist auch insofern inkonsequent, als es Leute, welche ihre Staatsbürgerschaft nicht verlieren können, erlaubt, ohne Verzicht auf ihre Staatsbürgerschaft die liechtensteinische zu erwerben, z. B. Italien. Bei der erleichterten Einbürgerung eines Ehepartners kann die absurde Situation entstehen, dass die Person, welche z. B. die schweizerische Staatsbürgerschaft in die Familie gebracht hat, nun auf diese verzichten muss, während Gatte und Kinder weiterhin den schweizerischen Pass behalten dürfen.
In einem kleinen Land, in dem ungefähr gleich viele binationale wie nationale Heiraten stattfinden, besitzt sowieso schon bald die Hälfte der Bürger zwei Staatsbürgerschaften.
Es tut keiner Liechtensteinerin, keinem Liechtensteiner weh, wenn eine alteingesessene Person noch eine weitere Staatsbürgerschaft besitzt. Die Vorschrift des Verzichts dient einzig und allein dazu, Leute davon abzuhalten, sich einbürgern zu lassen. Warum eigentlich? Ist es der Neid auf Personen, die dann zwei Staatsbürgerschaften besitzen? Missgönnen jene Liechten-steiner/-innen, die nur eine Staatsbürgerschaft besitzen, den Einbürgerungswilligen ihre ehemalige Staatsbürgerschaft? Ein Verbot der Doppelstaatsbürgerschaft erschwert die Integration vieler schon lange hierlebender Mitbewohner.
Die angestammte Staatsbürgerschaft ist ein Teil der Identität und da sie ist mit Gefühlen behaftet ist, lässt sie sich nicht so einfach aufgeben. Dafür sollten wir Verständnis aufbringen.

Helen Marxer, Floraweg 19, Vaduz

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