Leserbrief

An die FKB

Kaltrina Arifi,Tilserstrasse 9, Plons | 20. Oktober 2017

Taggeld

Sehr geehrte Damen und Herren des Vorstandes der FKB und Herr Puopolo,
ich weiss nicht, ob sie jemals diese Zeilen lesen werden, aber ich hoffe es sehr im Sinne von zukünftigen Mamis. Im November 2016 ist mein Sohn zur Welt gekommen. Man hat uns den Boden unter den Füssen weggezogen, als wir erfahren haben, dass er einen angeborenen Herzfehler hat. Er muss Eingriffe über sich ergehen lassen, welch manch Erwachsener nicht überstehen könnte. Er ist meine Sonne, mein Mond und meine Sterne. Sie haben sich über mich ein Urteil erlaubt, welches Sie nicht ansatzweise nachvollziehen könnten. In einem Schreiben erklärten Sie mir, dass Sie verstehen würden, dass ich «besorgt» wäre, aber Sie das Taggeld einstellen würden, da mir persönlich nichts fehle. Dieses Wort trifft nicht ansatzweise, welche Gefühle und Ängste wir durchstehen müssen. Es stimmt, körperlich fehlt mir nichts. Aber Sie wissen nicht, wie es ist, wenn Ihr Herz blutet und blutet und einfach kein Ende in Sicht ist. Ich wünschte mir, Sie würden meinen Sohn im Spital nur einen einzigen Tag begleiten, um zu sehen und vielleicht ansatztweise zu verstehen, was er durchstehen muss. Sie wissen nicht, wie es ist, ein Kind zu haben, welches sehr krank ist und immer wieder mehrere Operationen durchstehen muss in der Hoffnung, dass es irgendwann «vielleicht» besser wird. Wie stellen Sie sich das eigentlich vor, dass man arbeiten soll, obwohl ihr Kind schwehr krank ist? Wie soll das funktionieren? Wer soll sich um mein Kind kümmern? Wer soll für ihn da sein? Nach wem haben Sie in Ihrer Kindheit verlangt, als Sie mal eine Grippe hatten oder es Ihnen nicht gut ging? Nach wem verlangen Ihre Kinder, wenn sie was beschäftigt? Wenn sie krank sind? Wen suchen sie? Von wem wollen sie getröstet und gepflegt werden? Von der Mami! Während all der Jahre, in denen ich nun arbeite, habe ich nie gefehlt. Ich hoffe sehr, dass, wenn andere Mütter in meine Situation geraten, Sie ihnen mehr Unterstützung zukommen lassen, als Sie sie mir gegeben haben.
Freundliche Grüsse,

Kaltrina Arifi,
Tilserstrasse 9, Plons

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