Leserbrief

«(...) machten den Krieg unausweichlich»

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 19. Oktober 2017

Thukydides-Falle

Weltkriege plagen die Menschheit, seitdem es Geschichte gibt. Das Phänomen ergibt sich zwangsläufig, unbeeinflusst des Territoriums, das die Kämpfenden im Laufe der Mil-lennien für Welt halten. Der erste Historiker (460–395 vor Christus), der am Krieg Athen gegen Sparta als Stratege teilnahm und darüber berichtete, war Thukydides. Seit 2015 behaupten Wissenschaftler an der Universität Harvard, Belfer Center, J.F. Kennedy School of Government, dass Thukydides dabei die Ursache aller Weltkriege entdeckt hätte. Dafür stützen sie sich auf ein einziges Zitat: «Der Aufstieg Athens und die Angst, die das in Sparta auslöste, machten den Krieg unausweichlich.» Und auf das ausschöpfende Erforschen aller Weltkonflikte seit 500 Jahren. Immer wieder, ausnahmslos, taucht die gleiche Ursache auf. Sie taufen diese die Thukydides-Falle.
Der Direktor der Forschung, Graham Allison, Ordinarius an der J.F.
Kennedy School of Government in Harvard und beliebter Schüler von Henry Kissinger, veröffentlicht das Standardwerk zum Projekt jetzt 2017. The «New York Review of Books» vom 26. Oktober stuft das Buch als das Meistgelesene von Studenten aus China in den USA und in der EU ein.
Titel und Inhalt lassen aufhorchen: «Für Krieg bestimmt: Können Amerika und China der Thukydides-Falle entkommen?» Steht nun der Weltkrieg mit Atomwaffen unmittelbarer als Weihnachten vor der Tür? Denjenigen, die das Buch durcharbeiten und die internationale Presse lesen, kann niemand verübeln, das Schlimmste zu befürchten. Machen der Aufstieg Chinas und die Angst, die das in den USA auslöst, den Krieg unausweichlich? Dient Nordkorea mit seinen Wasserstoffbomben und Interkontinentalraketen als Attrappe? Als Falle in der Falle?
Evan Osnos, der China-Fachmann, schreibt in «The New Yorker» vom 18. September (Seite 39): «Nordkorea wird nicht seine Kernwaffen aufgeben. Darüber stimmen die USA-Sicherheitsexperten einhellig überein.» Hat China die Gelegenheit beim Schopf gepackt, dass sein Nachbar Atomköpfe und Raketen baue, um ihm zu Wasserstoffbomben und Interkontinentalraketen zu verhelfen? Xi-Jinping wusste, dass ihn Trump dessen seit seiner Kandidatur beschuldigte, als Nordkorea weder die einen, noch die anderen hatte. Was konnte Xi dagegen tun? Den Verdacht bestätigen? Will Xi den USA mit Nordkorea einen Riegel vorschieben? Die Schlinge der Thukydides-Falle zieht sich bei allen immer enger zu.
Dass so ein Konflikt für Markt- und Finanzplatz Liechtensteins nicht unbeträchtliche Folgen haben wird, liegt auf der Hand.

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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