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Leserbrief

Feminismus verwirrt

Georg Kieber,Binzastrasse 6, Mauren | 11. Oktober 2017

Geschlechtertheorie

Redaktor Christoph Zürcher schrieb in der «NZZamSonntag» vom 8. Oktober, dass er zuweilen oft in Kreuzberg-Friedrichshain weile, ein Berliner Bezirk, der politisch sehr links stehe. Dort werde der Feminismus auf der Höhe seiner Überzeugungen gelebt. Das Bezirksparlament habe gegenüber sexistischer Werbung hart durchgegriffen. Die Sujets der Plakate werden von einem Expertengremium geprüft. Nichts verloren hätten nunmehr weibliche Models, die «körperbetont bekleidet sind und ohne Anlass lächeln». Bereits auf 2005 zurück gehe die Einführung einer Quote für Neu- oder Umbenennungen von Strassen. Seither dürfen nur noch Frauen Namengeber sein, und zwar so lange, bis gleich viel Männer- und Frauennamen auf den Schildern stehen. Als die jüdische Gemeinde den Platz vor dem jüdischen Museum Moses Mendelssohn widmen wollte, liess das zuständige Gremium wissen, der Name wäre zwar wunderbar, aber leider sei er keine Frau. Der Kompromiss ging dahin, dass zusätzlich auch der Vorname der Frau von Mendelssohn angeführt wurde. Christoph Zürcher warf dazu die Frage auf, ob es dem modernen Frauenbild entspreche, in der Eigenschaft als Gattin eines Mannes zur Namensgeberin zu werden. Der Redaktor wohnt in Berlin an der Köpenicker-Strasse; diese wurde umbenannt, sein Haus steht nun am Wilhelmine-Gember-Weg (eine Förderin von «Kleinkinderbewahranstalten» aus dem 19. Jahrhundert). So weit so gut, das Problem war allerdings, dass der Briefträger die Wohnung des Redaktors nicht mehr fand. So wurde die Sendung mit Büchern über die Geschlechtertheorie nach zwei erfolglosen Versuchen retourniert. Christoph Zürcher setzte daher für seinen Artikel in der Rubrik «Kanon der Populärkultur» den Titel «Der Feminismus verwirrt!».

Georg Kieber,
Binzastrasse 6, Mauren

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