Leserbrief

Die Demokratie lebt?

Ursula Oehry-Walther,auf der Egerta 27, Planken | 11. Oktober 2017

Ich habe bis zuletzt an die Verwirklichung des Jubiläumsweges mit der Hängebrücke geglaubt. Jetzt ist diese schöne Idee leider gestorben. Das ist sehr schade, aber nicht weiter tragisch, denn wir verlieren nichts, was wir bisher gehabt hätten. Nur den Glauben an ein Miteinander in der Bevölkerung, viel positiven Einsatz engagierter Personen, Fantasie, Gestaltungsfreude, die über den Strassenbau hinausgeht, auch mehrere Tausend Franken für die Abklärungen, Kostenvoranschläge etc. Wir werden es bald vergessen haben.
Was mich weit mehr beschäftigt ist unser seltsames Verständnis von Demokratie. Wir stellen die von uns bevorzugten, engagierten und fähigen Mitbürgerinnen und Mitbürger als Kandidaten für politische Ämter auf und wählen sie demokratisch, damit sie uns vertreten. Sie sind die von uns gewählten Personen, die den Auftrag haben, in unserem Namen zu sprechen und Entscheidungen im Sinne der Gemeinschaft zu treffen. In diesem Fall sind es die Gemeinderäte, die nach einem Prozess der Argumentation und Diskussion einstimmig (alle elf Gemeinden) der Meinung waren, dass der Jubiläumsweg und die symbolische wie sinnvolle Hängebrücke gebaut werden sollen. Sie haben demokratisch und kraft ihres Amtes darüber abgestimmt. Dass sie sich nicht getraut hätten, ihre wirkliche Meinung zu vertreten, halte ich für eine blamable Unterstellung. Wäre es so, könnten wir die Gemeinderäte auflösen. Mit solchen Aussagen degradieren wir deren Mitglieder zu von uns gewählten Hampelmännern und Hampelfrauen.
Für die Zukunft sehe ich Schwierigkeiten, denn wie werden wir noch irgendeine Entscheidung treffen und dann auch umsetzen können, wenn eine Minderheit die Mehrheit jederzeit blockieren kann?
Einer der Grundpfeiler der Demokratie ist es, einen (ethisch vertretbaren) Mehrheitsentscheid anzuerkennen, auch wenn er der eigenen Überzeugung nicht entspricht.

Ursula Oehry-Walther,
auf der Egerta 27, Planken

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