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Leserbrief

Für Chancen- gleichheit

Infra, Informations- undBeratungsstelle für Frauen,Petra Eichele,... | 3. Oktober 2017

Man(n) und frau könnte bei der derzeit geführten Quotendiskussion meinen, dass mit der Einführung einer Geschlechterquote Frauen einzig und allein wegen ihres Geschlechts gewählt werden müssen. Das ist verletzend und unfair.
Bereits vor 20 Jahren beschloss die Regierung, sich für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern in Gremien (Delegationen, Kommissionen, Arbeitsgruppen etc.) einzusetzen. Diese Verpflichtung blieb ein Papiertiger. Die daraus resultierende Unterrepräsentanz der Frauen in Delegationen, Kommissionen bzw. der Öffentlichkeit trägt zur Untervertretung der Frauen in Politik und Wirtschaft bei.
Gemäss Gleichstellungsgesetz – wir feiern heuer 25 Jahre – ist der Staat beauftragt, die rechtliche und faktische Gleichstellung in allen Lebensbereichen zu fördern: z. B. durch die befristete Einführung einer Geschlechterquote. Gegner argumentieren, Quoten würden den Grundsätzen der Chancengleichheit und Gleichbehandlung zuwiderlaufen und zur Diskriminierung von Männern und anderen sozialen Gruppen, Interessensvertretern und Minderheiten führen. Dem muss entgegengesetzt werden, Quoten sind keine Form der Diskriminierung, sondern vielmehr eine Antwort auf die Diskriminierung von Frauen und eine Massnahme, um der derzeitigen Ausgrenzung und Unterrepräsentation der Frauen entgegenzuwirken. Eine Quote schafft keine Ungerechtigkeit, sondern hilft, Ungerechtigkeiten auszugleichen und ein gesetztes Ziel zu erreichen. Die Quote hilft den gut ausgebildeten und kompetenten Frauen weiterzukommen. In Wirtschaft und Politik sollte das Leistungsprinzip gelten: Wer gut ist, kommt weiter, unabhängig vom Geschlecht. Die Quote gibt qualifizierten Frauen die Chance, sich gegenüber weniger fähigen Männern durchzusetzen, die letztlich nur von der allgegenwärtigen Bevorzugung der Männer für wirtschaftliche und politische Positionen profitieren.
Eine weitere Sondermassnahme, die Liechtenstein bereits 2011 von der UNO (CEDAW) empfohlen wurde, ist, die Finanzierung der politischen Parteien an die Bedingung der gleichen Vertretung von Frauen in internen Gremien und auf Wahllisten zu knüpfen. Das finanzielle Anreizmodell dürfte jedoch nur im Falle eines positiven Wahlausgangs der Frauen greifen.
Eine Amtszeitbegrenzung ist ein weiteres Mittel zur Förderung der Chancengleichheit. Diese würde unverbrauchten und unvoreingenommenen Kandidatinnen und auch Kandidaten bessere Chancen bieten. Eine Erneuerung des Parlaments sowie von Gremien fördert die Entwicklung politischer Projekte und einen anderen Zugang zu Themen.
Einen Mann zu wählen, ist bei uns die Norm, alles andere die Abweichung. Wir sind uns über alle Parteien und Organisationen einig, dass sich etwas ändern muss. Seit 25 Jahren fordern wir Gleichstellung und Chancengleichheit. Wenn wir nicht nochmals zwei Jahrzehnte oder länger warten wollen, braucht es Sondermassnahmen wie eine Quote. Eine Männerquote? Maximal 50 Prozent Männer?

Infra, Informations- und
Beratungsstelle für Frauen,
Petra Eichele, Geschäftsführerin

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