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Leserbrief

Quoten sind kein «heiliges» Mittel

Günther Fritz, VU-Parteipräsident, Hinterschloss 23, Schellenberg | 28. September 2017

Quoten-Diskussion

Im Forumsbeitrag des Vereins Hoi Quote unter dem Titel «Die Logik der Quotengegner» werden ein paar Anschlussfragen zu meinem am vergangenen Dienstag im «Vaterland» erschienenen Interview aufgeworfen. Gerne gehe ich darauf ein. Meine Aussage, dass Quoten das Repräsentationsproblem der Frauen zulasten anderer sozialer Gruppen, Interessenvertreter und Minderheiten überakzentuieren, veranlasst Hoi Quote zur Frage: Sind Frauen soziale Gruppen, Interessenvertreter oder Minderheiten? Selbstverständlich gibt es auf den Wahllisten Frauen und Männer, die aufgrund ihres beruflichen Hintergrunds die Interessen bestimmter Branchen und Berufsgruppen vertreten oder aufgrund ihres sozialen oder persönlichen Umfelds bestimmte Wählerschichten, darunter auch Minderheiten, besonders ansprechen. Im Grunde genommen geht es bei der Quotendiskussion doch um die Frage, was man unter der angestrebten Gleichheit in unserer Demokratie versteht. Wer so schnell als möglich eine «Ergebnisgleichheit» im Sinne einer paritätischen Besetzung der politischen Gremien herbeiführen will, muss sich selbstverständlich für die Einführung einer Quote einsetzen. Wer jedoch die «Chancengleichheit» für alle Kandidatenprofile, seien sie nun weiblich oder männlich, als demokratisches Gut stärker gewichtet, darf sich ebenso legitim gegen eine Quote aussprechen. Quotenbefürworter finden es als gerecht, dass Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts andere Kandidatenprofile für den Einzug in den Landtag oder den Gemeinderat «überspringen» dürfen, auch wenn die Wählerinnen und Wähler aus vielfältigen Gründen eine bestimmte Rangliste festgelegt haben. Meiner Meinung nach heiligt in dieser Frage der Zweck nicht jedes Mittel. Persönlich stufe ich den Willen der Wählerinnen und Wähler höher ein. Auch Frauen dürfen Frauen nicht wählen! Ich denke, dass man auch diese Ansicht vertreten darf, ohne dass einem logisches Denken abgesprochen wird.
Zur Anschlussfrage bezüglich «Best-Practice-Beispiele» möchte ich festhalten, dass es leider auch bei der VU keine wunderwirkenden Rezepte gibt. Was jedoch die gelebte Realität bei der VU im Hinblick auf die Profilierungsmöglichkeiten für Frauen betrifft, möchte ich an folgende Tatsachen erinnern: Von den drei Frauen, welche den Einzug ins Parlament geschafft haben, gehören zwei der VU-Landtagsfraktion an. Gunilla Marxer-Kranz wurde von der Fraktion als Landtagsvizepräsidentin portiert und Violanda Lanter-Koller zur Fraktionssprecherin gewählt. Bei den fünf Generalsekretariaten der Koalitionsregierung gibt es drei Generalsekretäre und zwei Generalsekretärinnen. Letztere unterstützen die beiden VU-Regierungsmitglieder.
Ich begrüsse die Anstrengungen des Vereins Hoi Quote, die Parteien nach wie vor auf Trab zu halten, um dem gemeinsamen Ziel einer ausgeglichenen Frauenvertretung in politischen Gremien wesentliche Schritte näherzukommen. Die innerparteiliche Diskussion hat dadurch zweifellos einen neuen Schub bekommen. Inwieweit dies zu neuen Massnahmen führt, wird die weitere Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigen.

Günther Fritz, VU-Parteipräsident, Hinterschloss 23, Schellenberg

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