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Leserbrief

Zur Innenrenovation des Josefskirchleins

Yvonne Ospelt,Drescheweg 4, Vaduz | 28. September 2017

«Volksaltar»

Im Josefskirchlein wird bald die Detailplanung zur Innenrenovation gestartet. Erste Andeutungen zur Neugestaltung, oder je nach Sichtweise zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes, sind bereits öffentlich geworden. Mit gros­ser Sorge habe ich vernommen, dass ernsthaft in Erwägung gezogen wird, den «Volksaltar» aus dem Josefskirchlein zu entfernen.
Ich bin in einer katholischen «nach-konziliären» Kirche aufgewachsen und mir ist die festliche Feier des Glockenaufzugs und der Weihung des Altars noch präsent. Ein eindrückliches Erlebnis! Die Einweihung war 1970 und der Altar wurde mittig in den Kirchenraum gestellt. Da steht er immer noch in der Mitte aller Gläubigen und Mitfeiernden. Alle Blicke, auch die des Priesters, sind auf diese Mitte gerichtet. Der «Tisch des Herrn» symbolisiert in diesem Raum ganz klar das Zentrale unseres Glaubens «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen» (Mt 18,20). Ich fühlte und fühle mich herzlich willkommen geheis­sen, habe Anteil an dieser Gemeinschaft und diesem Geschehen während des Gottesdienstes. Jesus – unsere Mitte! Die Feier der heiligen Eucharistie bildet den Mittelpunkt unseres Glaubens. Die Wichtigkeit und Bedeutung dieses Sakraments soll auch innenarchitektonisch zur Geltung kommen. Das, zwar etwas einfach ausgedrückt, einer der wichtigen Wünsche des Zweiten Vatikanischen Konzils für die Liturgiereform.
In der Vorbereitung zur heiligen Erstkommunion wird den Kindern vermittelt «Ihr seid eingeladen an den Tisch des Herrn!», «Ihr seid willkommen!». Sie sollen sich um diesen Tisch der Communio (Gemeinschaft) versammeln können und Anteil haben am Mysterium und am Sakrament der Eucharistie. Wenn nun aber gerade dieser zur Communio verbindende Tisch, sprich Volksaltar, entfernt wird und wieder, wie vor 60 Jahren, hinter verdeckenden Rücken der Priester diese Mahlgemeinschaft der Eucharistie gefeiert werden soll, ist das alles andere als einladend. Da hilft auch die Annahme nichts, Kinder hätten es gerne geheimnisvoll und spannend. Kinder wollen sehen, was geschieht und verstehen. Das Mysterium der Eucharistie zu begreifen und zu verstehen, fällt selbst Erwachsenen schwer. Aber etwas quasi fast im «Verborgenen» verdeckt zu tun, fördert nicht gerade Vertrauen, Verständnis und die Freude am Willkommen- und Eingeladensein. Nun spreche ich für viele: Dahin wollen wir Gläubigen nicht mehr zurück.
Gerade im Josefskirchlein, wo regelmässig Schülergottesdienste gefeiert werden und die Sonntaggottesdienste gut besucht sind, darf das gemeinschaftstiftende Element des Altars in der Mitte des Kirchenraums als wichtiges Zeichen der Communio nicht verschwinden! Wenn die katholische Kirche weiterhin eine Willkommenshaltung zeigen will und das ja auch sollte, gehört der Volksaltar als wichtiges Zeichen in jeden Kirchenraum.

Yvonne Ospelt,
Drescheweg 4, Vaduz

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