Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Die Früchte des Feldes?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 26. September 2017

Wirtschaftspolitik

An Eschner Stammtischen hört man so dann und wann von den gesetzteren Sitzern eine scheinbar wahre Geschichte eines Mannes, die uns auch heute noch berühren muss. Und diese Geschichte ist nicht nur tiefsinnig, weil sie wahr ist, sondern weil sie ausserordentlich fundamentale Merkmale beinhaltet. Dieser besagte Mann hätte, wenn er auf seinem Feld im Riet draussen war und dort dringend seine Notdurft verrichten musste, jene in die Blätter der Runkelrüben gewickelt, mit nach Hause genommen, um sie dort auf seinen Misthaufen zu werfen. Als Grund wird erzählt, dass der Mann erfahren habe, der Preis für Mist im Steigen begriffen wäre. Er war also nicht nur ein guter Sparer, sondern hatte wohl einen guten Riecher dafür, wo Geld auch mit geringem Aufwand zu verdienen ist. Und tatsächlich hat es der Mann dank seiner bedingungslosen Hingabe zum Wachsen und Werden zu etwas gebracht.
Nachdem ja bei uns alles, was für bessere Wertsteigerungen für unser Land konstruiert wurde, nach kurzer Zeit versuppt, versippt und verödet, sind gewagte Gedankengänge zwingend. Da uns in dieser Richtung jedoch periodisch nichts einfällt, kann es vielleicht nicht schaden, uns an den Instinkten unserer Vorfahren auszurichten. Denn diese waren ja nicht nur fleissig, denn das alleine nützt nichts, sondern sie waren auch schlau. Um nicht zu sagen rattenschlau.
Schon jetzt haben wir mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Ein in dieser Galaxie einzigartiges Staatsschauspiel. Jedoch vertrocknet alles schon im Sperm, was zur Erhöhung der Wertschöpfung angezutzelt wurde. Von Thinktank hört man rein gar nichts mehr. Löwenbändiger Frank Thelen scheint längerfristig verreist. Unsere Universität ist zu klein und zu nahe an der Rüfe für Grösse. Die alljährlichen Wirtschaftsforen beschäftigen wohl die Spülmaschinen für die Weissweingläser, aber ansonsten ist von dort noch kein Baum erwachsen.
Wenn es so weitergeht und wir unseren Wohlstand wenigstens halten wollen, benötigen wir nächstens drei Stück Arbeitsplätze pro Einwohner. Und da alles, so wie der Landtagsziegelhaufen und unser Strassenwerk, morsch und mürbe wird, könnte das noch schneller gehen. Fällt uns also nicht schon bald etwas sehr Schlaues und Zukunftsträchtiges ein, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als es dem Manne auf dem Felde gleichzutun. Nämlich einen Riecher dafür zu entwickeln, Geld zu verdienen, ohne dass der Aufwand den Ertrag laufend bescheisst. Daher gilt für uns, alles zu nutzen, was in uns steckt und steckte.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung