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Leserbrief

«Volksaltar» – Ein «Volksmagnet»?

Pfarrer Roland Casutt,Bendern | 22. September 2017

Glaube

In einem Forumsbeitrag hat der Vorstand des Vereins für eine «offene Kirche» im Zusammenhang mit der Innenrenovation des St. Josefskirchleins in Vaduz zu einem Rundumschlag bezüglich der Feier der heiligen Liturgie in unserem Erzbistum Vaduz ausgeholt. Damit will er in leicht durchschaubarer Absicht einen künstlichen Dissens zwischen Papst und Klerus im Erzbistum Vaduz erzeugen. Solch ungerechtem Vorgehen muss entgegnet werden.
Der Vereinsvorstand bezieht sich dabei auf angebliche Anregungen bezüglich einer Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils. Leider bleibt er uns aber die Angabe der Quellen, auf die er seine Behauptungen stützt, schuldig.
Kardinal Robert Sarah schreibt in seinem neulich erschienenen Buch «Kraft der Stille»: «Als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung möchte ich abermals daran erinnern, dass die Zelebration versus orientem (nach Osten hin) in den Rubriken des Messbuches erlaubt wird, da sie eine apostolische Tradition ist. Es bedarf keiner Sondergenehmigung, um die Messe so zu feiern, dass Volk und Priester dem Herrn zugewandt sind.» (S. 171); und Kardinal Sarah fährt fort: «Wenn der Zelebrant sich zum Orient und zu Christus hinwendet, wird er sich bewusst, dass er, woran Papst Franziskus oft erinnert, ein Hirte ist, der seiner Herde vorangeht.» (ebd.) Das Anliegen der Kirche war und ist also nicht «mit dem Rücken zum Volk» zu zelebrieren, sondern mit dem gemeinsamen Blick nach Osten – auf Christus hin.
Die meisten Pfarrkirchen, auch in unserem Land, sind deshalb auch buchstäblich gegen Osten ausgerichtet – oder waren es vormals. Da der Petersdom genau über dem Petrusgrab errichtet wurde, musste dieser – aus topologischen und architektonischen Gründen – nach Westen ausgerichtet werden. Der Papst hat aber immer in Richtung Osten die heilige Messe gefeiert – nicht zum Volk hin!
Der Begriff «Volksaltar» ist – meines Wissens – nur im deutschen Sprachraum gebräuchlich und leider sehr missverständlich. Die Dokumente des Zweiten Vatikanische Konzils gebrauchen den Begriff «Volksaltar» nie.
Der Katechismus der Katholischen Kirche beschreibt in Nr. 1182: «Der Altar des Neuen Bundes ist das Kreuz des Herrn, aus dem die Sakramente des Pascha-Mysteriums entspringen. Auf dem Altar, der der Mittelpunkt der Kirche ist, wird unter den sakramentalen Zeichen das Kreuzesopfer gegenwärtig. Er ist auch der Tisch des Herrn (Anm. nicht des Volkes!), zu dem das Volk Gottes eingeladen wird. In einigen östlichen Liturgien ist der Altar auch das Sinnbild des Grabes (Christus ist wirklich gestorben und wirklich auferstanden).» Wenn hier von Mittelpunkt («centrum») die Rede ist, so bedeutet dies natürlich das optische Zentrum.
Es sei auch noch angemerkt, dass die sogenannten. «Volksaltäre» auch nicht die Distanz der Gläubigen zum Altar überwunden haben. In gar manchen Gottesdiensten sind nämlich die Gottesdienstbesucher in den hintersten Bänken. Man kann gewiss nicht behaupten, dass der sogenannte «Volksaltar» ein «Volksmagnet» wäre.

Pfarrer Roland Casutt,
Bendern

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