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Leserbrief

Wir werden verschaukelt

Monika und Werner Schädler,Sückastrasse 41, Triesenberg | 15. September 2017

Post AG

Jawohl, so ist es. Die Post AG kündigt an, dass wir für die Benutzung eines Postfachs nun auch noch bezahlen sollen. (Wir gehören zu den wenigen Ausnahmen, da wir im Alpengebiet wohnen). Bezahlen sollen die Postkunden dafür, dass sie der Post die Arbeit der Zustellung abnehmen. Dafür, dass diese Postsendungen einmal weniger in die Hand genommen werden müssen als bei der Hauszustellung. Dafür, dass das Zustellfahrzeug und die Zustellzeit wegfallen. Aber das wird noch nicht alles sein. Laut Post AG sind sie sich ganz klar bewusst, dass viele Privatkunden ihr Postfach auflösen werden. Das wird dann noch als «Optimierung der Zustellung» bezeichnet. Über andere Konsequenzen wird aber geflissentlich geschwiegen. Nehmen wir das Beispiel Triesenberg. Angenommen, 50 Prozent der Postfachinhaber kündigen ihr Postfach. Darauf wird der Posthalterin die ihr zur Einfächerung der Post zustehende Arbeitszeit verkürzt. Das führt dann dazu, falls sie den Umsatz am Hosenträger-, Ansichtskarten- und Lesebrillenverkauf nicht wesentlich steigern kann, dass die Öffnungszeiten verkürzt werden. Drei Jahre später wird festgestellt, dass die Poststelle nicht mehr rentiere und es wird uns kundgetan, natürlich mit dem nötigen Bedauern und Dackelblick, dass wir unsere Postangelegenheiten in irgendeinem Laden erledigen können. Ein freies Ecklein wird sich schon irgendwo finden. Fertig mit der Bedienung durch eine ausgebildete Fachkraft. Falls es kompliziert wird, können wir ja nach Vaduz fahren.
Utopie? Nein. Die Landesbank hat, nachdem die Einwohner heftig gegen die Schliessung der Filiale in Triesenberg protestierten, als Trostpflaster die Möglichkeit geschaffen, auf der Poststelle wenigstens Einzahlungen aufs Bankkonto zu ermöglichen. Eine Dienstleistung, die von uns Gastwirten sehr geschätzt wurde, konnten wir doch so unsere Bareinnahmen aus dem Haus bringen und mussten dafür nicht extra ins Land fahren. Nachdem nun ein paar Jährchen verstrichen sind, erhielten wir von der Bank heute einen Anruf, dass diese Dienstleistung per 1. Januar gestrichen werde. Jetzt dürfen wir uns auch in Triesenberg nur noch mit dem Automaten abgeben. Wie bei der Post werden wir dafür, dass wir mit E-Banking etc. der Bank Arbeit abnehmen, mit Kürzungen der Dienstleistungen bestraft.
Fazit? Postfach auf keinen Fall kündigen und für die Zustellung der Post auch ab dem 1. Januar nichts bezahlen. Jetzige Postfachbesitzer auf keinen Fall einen Briefkasten zu Hause montieren. Und dann wollen wir einmal sehen, was sie dann mit eurer Post machen. Zurücksenden können sie diese wohl kaum, da der Empfänger weder verstorben noch unbekannt oder weggezogen ist. Lassen wir uns nicht mehr weiter von Institutionen wie der Post AG oder der Landesbank verschaukeln. Wehren wir uns.
Zwei ehemalige Mitarbeiter der Liechtensteinischen Post AG.

Monika und Werner Schädler,
Sückastrasse 41, Triesenberg

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