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Leserbrief

Wir alle im freien Fall?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 14. September 2017

Glaube

In ihrem Leserbrief mit dem Titel «Kann das Gott gewollt haben» («Vaterland» vom 13. September) legt sich Frau Ursula Oehri mächtig ins Zeug, der katholischen Kirche eine blutrünstige Vergangenheit mit Millionen von Toten und Bergen von Kinderknochen anzuschwatzen, welche sie dem von Gott eingesetzten Bodenpersonal anhaftet. Nun, das, was die gute Frau da macht, ist eine seltsame Art der Buchhaltung, wo nur Ausgaben ohne die Einnahmen den von ihr gewünschten Saldo ergeben.
In dieser Menschengeschichte ist bis anhin noch keine Zivilisation oder Kultur ohne Religion und ohne einen oder gar mehrere Götter ausgekommen. Der Zusammenhalt im gemeinsamen Glauben sichert den Halt und den Fortbestand der Gesellschaft am ehesten. Dem christlichen Kreuz folgen etwa 1,4 Milliarden Menschen im tiefen Glauben an diesen unseren Herrgott. Nach Frau Oehri wahrscheinlich allesamt peinigende und mordende Vollidioten und Gewaltverbrecher.
Auf jeden Fall etwas sehr einseitig, aus der christlichen Vergangenheit und Geschichte nur die Verfehlungen einiger weniger herauszupicken, um damit Stimmung zu machen. Warum erwähnt sie mit keinem Wort all das Gute, welches unter diesem Kreuz entstanden ist. Warum erzählt sie nicht von dem segensreichen Wirken der Klöster, welche den einfachen Bauern Lesen, Schreiben, Medizin, und Kultur beibrachten? Weiss sie nichts von den Armenhäusern im Lande, in welchen noch bis vor wenigen Jahren Klosterschwestern beinahe unentgeltlich unsere Armen, Alten, Kranken und Bedürftigen pflegten? Wenn Frau Oehri selber einmal alt und pflegebedürftig ist und dem Haus Sankt Martin jeden Monat 6800 Franken schicken muss, wird sie sich vielleicht wünschen, so eine Schwester zu haben, denn der «Gemeindesanktmartin» wird seinen Mantel nicht mit ihr teilen.
Auch wenn heute Fernsehen, YouTube, Facebook, Radio L und alle anderen modernen Verblödungsmechanismen der Kirche die Gläubigen wegziehen und jeder Zweite, der sich als moderner und cooler Atheist outet, wird auch der aus der Geschichte lernen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese neuen inhaltlosen Götzen in sich selbst zerfallen. Irgendwann wird der Mensch wieder zu sich selber finden müssen oder aber der englische Physiker Stephen Hawking bekommt recht, wenn er sagt, dass diese Menschheit in ein paar Hundert Jahren vom Planeten Erde verschwunden sein wird.
Ein Ort, wo es übrigens auch unter Hunderten Menschen keine Atheisten gibt, ist ein Flugzeug, welches im Begriff ist abzustürzen.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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