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Leserbrief

Der nächste Lohn in Rubel?

Für den LANV:Petra Eichele und Sigi Langenbahn | 13. Mai 2016

Lohnzahlungen

Auch wenn für die überwiegende Mehrheit des Landtages die Eurolohnthematik abgehakt scheint, ist dieses Problem für uns als Gewerkschaft noch nicht gegessen. Besonders stossend in der April-Landtagsdebatte war, dass eine Abgeordnete fand, das Unternehmerrisiko (hier das Währungsrisiko) könne sehr wohl auf die Mitarbeitenden abgewälzt werden. Warum wurden Währungsgewinne in Zeiten eines starken Euros nie auf die Mitarbeitenden verteilt? Wir fragen uns: Wird der Unternehmensgewinn auch auf die Mitarbeitenden verteilt?
Da der Gesetzgeber Lohnzahlungen in Fremdwährungen (immer noch) erlaubt, ist dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Es sind nicht LIHK-Betriebe, die mit Fantasiekursen auf illegale Art den Mindestlohn unterschreiten, sondern kleine Betriebe mit oder ohne GAV, die die Konfusion bez. Wechselkurse ausnutzen, um sich Vorteile zu erschleichen.
Unser aktuellster Fall: Lohnkürzungen zu Eurokursen von 1.42 und damit verbunden rückwirkende Pensums- und Vertragsanpassungen, damit die Lohnkürzung kaschiert werden kann. Mit einer fiesen Hinhaltetaktik wird den von uns geforderten Lohnnachzahlungen für vier Arbeitnehmende von über 60 000 Euro nicht nachgekommen. Im Landtag wurde zudem die Meinung geäussert, dass es jedem Arbeitnehmer frei stehe, den Arbeitgeber vor Gericht zu ziehen. Dieses Argument entbehrt jeglichen gesunden Menschenverstands und ist geradezu zynisch. Es ist nicht Aufgabe der Arbeitnehmer, hier tätig zu werden, sondern Aufgabe der Politik.

Im Vorfeld der Abstimmung hatte die LIHK den Landtagsabgeordneten suggeriert, ohne die Möglichkeit der Auszahlung von Löhnen in Fremdwährungen werde die Arbeitslosenzahl massiv ansteigen. Verschwiegen wurde, dass jedes Unternehmen die Umstellung auf Eurolöhne mit teils massiven Lohnreduktionen verband. Auch wurde von der LIHK angeführt, dass in der Schweiz das Verbot von Lohnzahlung in Fremdwährung abgelehnt wurde. Zu ergänzen ist, dass Swissmem (Schweizerischer Arbeitgeberverband) von Eurolohnzahlungen abgeraten hat.
Der Angstmacherei der Wirtschaftsseite halten wir entgegen, dass jedes Unternehmen die Produktion ins Ausland verlagern wird, wenn diese nicht mehr rentiert. Die Rahmenbedingungen und Standortvorteile in Liechtenstein sind immer noch sehr gut: tiefe Lohnnebenkosten, kein Streikrisiko, motivierte Mitarbeitende. Wir sind uns bewusst, dass der Arbeitsmarkt immer weniger Jobs für Niedrigqualifizierte anbietet. Hier sind alle gefordert, diese Arbeitnehmer besser zu qualifizieren. Ein LIHK-Betrieb hat uns gegenüber schon mitgeteilt, dass diese Problematik erkannt und in Angriff genommen wird.

Wir sehen nach wie vor im Verbot der Lohnzahlung in Fremdwährung die einzige wirksame Massnahme zur Eindämmung des Missbrauchs. Wir fordern eine verbindliche Regelung, die unmissverständlich festhält, dass der Lohn zum aktuellen Tages- oder zum monatlichen ESTV-Kurs umgerechnet werden muss.
Wir bekämpfen Eurolöhne, weil wir sehen, dass mit der Auszahlung von Löhnen in einer Fremdwährung die Transparenz nicht mehr gegeben ist und dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet wird.

Für den LANV:
Petra Eichele und Sigi Langenbahn

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