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Leserbrief

Offener Brief an Herrn Nationalrat Walter Müller

Dr. med. Marco Ospelt,Dröschistrasse 9, Triesen | 7. Mai 2016

Schweiz-Liechtenstein

Lieber Herr Nationalrat Müller,
in Ihrem Interview mit dem «Volksblatt» äussern Sie die Meinung, Liechtenstein sei vorausgeeilt und habe von sich aus den Staatsvertrag mit der Schweiz ausgehebelt. Sie sehen in der Einführung der Bedarfsplanung eine einseitige Verschlechterung für die «Leistungserbringer» in der Schweiz. Es verwundert nicht, dass Sie diese Meinung äussern, wenn sogar liechtensteinische Minister ihre Unterschrift unter die neu getroffene Vereinbarung mit der Schweiz genau so begründen.
Dabei hat das Hausarztsystem, das die Schweiz vor vielen Jahren (lange vor der Bedarfsplanung in Liechtenstein) – und selbstverständlich ohne sich mit Liechtenstein abzusprechen – eingeführt hat, für die Versicherten fast auf den Franken die gleiche Auswirkung wie die Bedarfsplanung in Liechtenstein. Eine Versicherte in der Schweiz bezahlt etwa 40 Franken mehr als die Prämie in der Hausarztversicherung betragen würde, um die freie Arztwahl zu behalten und einen Arzt ausserhalb des Hausarztsystems, z. B. in Liechtenstein, konsultieren zu können. Fast auf den Franken genau gleich viel mehr (bezogen auf die tiefst mögliche Prämie) bezahlt ein Versicherter in Liechtenstein, der sich für OKP Plus entscheidet, um Ärzte ausserhalb der Bedarfsplanung, zum Beispiel in der Schweiz, aufsuchen zu können.
Kommt hinzu, dass doch nicht wenige Ärzte in der Schweiz durch die Grundversicherung in Liechtenstein abgedeckt sind (zum Beispiel alle Ärzte, die eine Privatpraxis in einem Vertragsspital betreiben, aber auch etliche frei niedergelassene Spezialisten). Hingegen hat kein einziger in Liechtenstein tätiger Arzt Aufnahme in ein Hausarztsystem der Schweiz (zum Beispiel Pizolcare) gefunden. In Anbetracht dessen halte ich die Aussage der Ärzte auf Schweizer Seite nicht für berechtigt, wenn sie behauptet hatten, es bestünden ungleich lange Spiesse. Die Schweiz hat ohne hinreichende Begründung den Staatsvertrag aufgekündigt. Und unsere Regierung hat voreilig, ohne Berücksichtigung der Fakten, die neue Vereinbarung unterschrieben.
Von meiner Seite hoffe ich sehr, solche Unstimmigkeiten liessen sich in Zukunft vermeiden. Aus meiner Sicht war die Aussage fatal falsch, Liechtenstein müsse sich aus dem Rucksack der Schweiz befreien. Als kleinerer Partner sind wir auf das Wohlwollen der Schweiz angewiesen.

Dr. med. Marco Ospelt,
Dröschistrasse 9, Triesen

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