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Leserbrief

Mehr als gute Vorsätze notwendig

Martin Beck, Vorstandsmitglied der Solargenossenschaft Liechtenstein | 4. Mai 2016

Paris-Abkommen

Es muss als Erfolg der Klimakonferenz in Paris gewertet werden, dass sich die Staatengemeinschaft auf einen gemeinsamen Rahmen und ein gemeinsames Ziel geeinigt hat. Das bestätigt die enorme Zahl von mehr als 175 Staaten, die das Vertragswerk am 22. April unterzeichnet haben. Dennoch erwecken die Inhalte des Paris-Abkommens – zumindest noch – mehr den Anschein von frommen Wünschen. Skeptisch machen vor allem bisherige Absichtserklärungen der Staatengemeinschaft. An die Selbstverpflichtung, einen bestimmten Teil der wirtschaftlichen Leistung ihrer Länder für die staatliche Entwicklungshilfe bereitzustellen, haben sich nur die wenigsten Industriestaaten gehalten. Wenn die Industrieländer bezüglich Finanzhilfen für Entwicklungsländer zur Reduzierung ihrer Treib-hausgas-Emissionen und zur Anpassung an den Klimawandel ihre guten Vorsätze ebenso inkonsequent umsetzen, wird auch das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad Celsius zu beschränken, infrage gestellt. Ohne solche Finanzhilfen fehlt es an einer Begründung, weshalb sich Entwicklungsländer, deren Pro-Kopf-Ausstoss trotz eines möglicherweise weniger effizienten Einsatzes von Energie weit unter jenem des europäischen oder nordamerikanischen Durchschnitts liegt, an den Anstrengungen der Staatengemeinschaft beteiligen sollen.
Zentral ist, dass die Industrienationen ihren Treibhausgas-Ausstoss reduzieren. Mit dem Finger beispielsweise auf China zu zeigen erscheint ähnlich skurril wie wenn die Gemeinde Planken verlangen würde, dass Schaan zuerst handelt, da die Gemeinde im Tal der grössere Verschmutzer ist. Welcher Staat sich wie sehr anstrengen muss, wird im Paris-Abkommen aber nicht festgehalten. Viel mehr wird Raum dafür geschaffen, sich der Verantwortung zu entziehen, indem häufig betont wird, dass nationale Verhältnisse zu berücksichtigen wären. Liechtensteins Politik argumentiert des Öfteren, im Inland seien die Reduktionsziele kaum zu stemmen, da Energie bereits vergleichsweise effizient eingesetzt werde und somit Emissionsreduktionen mit hohen Kosten verbunden seien. Im Ausland die Klimaziele zu erfüllen dürfte aber immer schwieriger werden, je stärker das Engagement in Entwicklungsländern wird.
Auch wenn in Liechtenstein mit Effizienzmassnahmen noch einiges erreicht werden kann, bieten Investitionen in erneuerbare Energien die besten Chancen, der Verantwortung gerecht zu werden. Zudem scheint eine Abkehr vom Wachstumsdenken unumgänglich. Effizienzgewinne werden stetig durch steigenden Konsum kompensiert. Und diesem Wachstumsdenken liegt ein fundamentaler Fehler zugrunde: Die Menschen zehren vom Kapital der Erde, nicht nur von den Früchten. Wenn künftige Generationen dieselben Chancen haben sollen wie die heutige Generation, wenn sie ebenso viel und leicht ernten können sollen, dann muss heute darin investiert werden, die Fülle, die die Natur bietet, nachhaltig zu nutzen. Wenn heute in erneuerbare Energien investiert wird, dann ist das Kapital der Natur gut eingesetzt. Dazu braucht es aber mehr als gute Vorsätze. Es braucht entschiedenes Handeln, das sich an Argumenten und nicht an Befindlichkeiten orientiert.

Martin Beck, Vorstandsmitglied der Solargenossenschaft Liechtenstein

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