Leserbrief

Pressefreiheit in Liechtenstein

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 22. April 2016

Menschenrechte

In der Rangliste der Pressefreiheit hat Liechtenstein im Vergleich zum letzten Jahr einen Platz eingebüsst und steht heute auf Rang 28. Liechtenstein liegt zwischen Zypern und Samoa. Dies belegt die jährlich erscheinende Rangliste der Reporter ohne Grenzen (ROG). Die Schweiz ist auf Platz 7, (nicht Platz 13, wie im «Vaterland» berichtet) sie hat sich gegenüber dem Vorjahr um 13 Plätze verbessert.
Die Spitzenplätze der Rangliste nehmen Finnland, Norwegen und Dänemark ein. Dazu tragen etwa liberale Regelungen über den Zugang zu Behördeninformationen sowie der Schutz journalistischer Quellen bei. Informationen sind der erste Schritt zu Veränderungen – deshalb fürchten nicht nur autoritäre Regierungen eine freie und unabhängige Berichterstattung.
Wo Medien nicht über Unrecht, Machtmissbrauch oder Korruption berichten können, findet auch keine öffentliche Kontrolle statt und keine freie Meinungsbildung. Pressefreiheit ist die Basis einer demokratischen Gesellschaft. (Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäusserung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten zu vertreten sowie Informationen und Ideen mit allen Kommunikationsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.» Artikel 19 der «Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte» der Vereinten Nationen (Dezember 1948).
Wo nicht unabhängig berichtet werden darf und wo Menschen ihre Meinung nicht frei äussern können, werden auch andere Menschenrechte verletzt. Daher ist die Freiheit zu berichten und informiert zu werden stets auch ein zuverlässiger Gradmesser für die Achtung der universell gültigen Menschenrechte in einem Land. Pressefreiheit ist Menschenrecht!
In einem kleinen Land wie Liechtenstein ist zwangsläufig Vetternwirtschaft an der Tagesordnung. (Eine verschleierte Form von Korruption). Nur wird diese schon gar nicht mehr negativ wahrgenommen, was sie gefährlich macht, sie ist bereits zur Normalität geworden oder wird elegant als Networking bezeichnet. Allerdings mit weitreichenden und teils verheerenden Auswirkungen für die Gesellschaft. Dabei wird immer das Prinzip der Gleichbehandlung verletzt, worauf eine Demokratie aufgebaut ist. Dieser Filz zieht sich durch Politik, Tageszeitungen, Radio, TV, Kultur, Ämter, Organisationen bis hinein in die Privatwirtschaft, was es einem Berichterstatter in Liechtenstein ungeheuer schwer machen kann, seine unabhängige Meinung überhaupt publizieren zu können. Landeszeitungen, die ihren Parteien als Sprachrohr dienen, sind keine freie Presse.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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