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Leserbrief

Arme Gemeinde in Liechtenstein

Adrian Kaiser,Im Gapetsch 5, Schaan | 22. April 2016

Regenwassergebühr

Kurz vorweg: Wir gehören zu den reichsten Ländern der Welt, gemessen an der Wirtschaftsleistung pro Einwohner.
Dass die Gemeinde Triesen ihr Kostendefizit für das Abwasserwerk über eine Regenwassergebühr deckt, ist geradezu fantastisch. Alle Achtung, es benötigt einiges an studierter Intelligenz, um eine solche Eingebung zu entwickeln. Wer sich über die Herkunft dieses gewinnbringenden Geschäftsmodells schlau machen möchte, findet die Definition der «Niederschlagswassergebühr» im Internet auf der Webseite Wikipedia (https://de.wikipedia.org).
Dass für die Projektausarbeitung ein Ingenieurbüro beauftragt wurde, versteht sich von selbst. Die Parameter zur Bemessung der jährlichen Regenmenge sind sehr komplex, da es bekanntlich nicht überall gleich viel regnet, auch nicht in Triesen. Interessant wäre die Berechnungsformel für die 65 Rp./Quadratmeter überbauter oder befestigter Fläche (ja, auch Parkplätze werden beregnet). Dass der Aufwand für das Projekt nicht genannt wird, entspricht keiner transparenten Politik dem Gebührenzahler gegenüber. Die Höhe der Projektkosten wäre schon von Interesse, man traut sich wohl nicht, die Summe zu nennen. Diese Aufwände sind sicher durch die Regenwassergebühr bereits amortisiert, sowie auch alle künftig anfallenden personellen und technischen Folgekosten durch mehr oder weniger starke Regenfälle gedeckt werden.
Dem Initianten dieses glorreichen Gedankenblitzes gebe ich weitere Vorschläge zur Verwirklichung von Abgaben, Gebühren und Steuern mit auf den Weg. Die Schneefallabgabe passt auch in dieses Konzept. Ebenfalls ist die Besteuerung von Sonnenlicht ein weiterer Schritt in diese Richtung, da Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen meist auch dem privaten Nutzen dienen. Andere Wege, dem Bürger das Geld aus der Tasche zu ziehen, könnten auch Trottoirsteuern sein, analog zur Strassensteuer! Die Hundesteuer gibt es bereits, wie wäre es als Ergänzung dazu mit der Besteuerung von Katzen, Hamstern oder Wellensittichen? Auch hauseigene Parkplätze lassen sich mit einer privaten Fahrzeugabstellgebühr belegen. Dazu kommt dann noch die Baum-, Hecken-, Grünpflanzen- und Gemüsegartenabgabe. Ein weiterer Vorschlag wäre die Ausweitung der Gebühren auf die verbrauchte Atemluft pro Gemeindeeinwohner …
Ich hoffe für alle Einwohner, dass sich dieser fragwürdigen Praktik nicht noch weitere Gemeinden anschliessen. Unser Volk soll nicht zahlungspflichtig werden, wenn es regnet! Liechtenstein, ein wirklich armes Land. Andernorts wäre man froh, es würde ein paar Tage regnen, ohne Gebühren versteht sich. Ich denke, wir haben genügend andere Probleme im Land und in Europa zu lösen.
Da kann ich nur sagen: Entwickeln wir uns zum Land der Vollidioten?

Adrian Kaiser,
Im Gapetsch 5, Schaan

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