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Leserbrief

Wer ist «Don Camillo», wer ist «Peppone»?

Roland Casutt,Pfarrer von Bendern | 21. April 2016

Trennung Kirche/Staat

Im gestrigen «Volksblatt» tritt der Vorsteher von Gamprin-Bendern mit einem Interview an die Öffentlichkeit, um aus seiner Sicht über den Stand der Entflechtung zwischen der Gemeinde Gamprin-Bendern und Pfarrei Bendern zu berichten.
Aus Sicht der Pfarrei stellt sich der Sachverhalt differenzierter dar. Als Pfarrer der Pfarrei Bendern habe ich mich auf den Standpunkt gestellt: Was im Eigentum der Kirche ist (Pfarrpfründe Bendern), muss nicht entflechtet werden, zumal man sich ja geeinigt hat, dass der Grundbucheintrag bei der Entflechtung massgebend ist und die liechtensteinische Verfassung (Artikel 38) «das Eigentum und alle anderen Vermögensrechte der Religionsgesellschaften» gewährleistet.
Weder Gemeinde noch Kirchenrat sind Eigentümer der Pfarrpfründe Bendern! Die «bescheidenen» und «grosszügigen» Angebote vonseiten der Gemeinde Gamprin-Bendern kann ich im Zusammenhang mit einer redlichen Entflechtung leider nicht erkennen.
Was das Pfarrhaus betrifft, so habe ich selbst die Ablösung des grundbücherlichen Nutzungsrechtes in Vorschlag gebracht, da die Gemeinde ein grosses Interesse an der Benutzung des Pfarrhauses angemeldet hat und es in Zukunft diesbezüglich keine Konflikte mehr geben soll.
Es wird uns Geistlichen immer wieder von gewissen Kreisen unterstellt, dass der Klerus bei Inkrafttreten des völkerrechtlichen Vertrages mit dem Apostolischen Stuhl und dem Staat Liechtenstein willkürlich über das Kirchengut verfügen könnte. Dem ist nicht so. Das Kirchengut ist in erster Linie für die Belange der Pfarrei da. Der jeweilige Ortspfarrer wird das Kirchengut treuhänderisch und im Sinn der Pfarrei mit einem kirchlichen Vermögensverwaltungsrat (deren Mitglieder gläubige Laien sind) verwalten. Die Pfarrer und Kapläne in unserem Land können je nach Situation mehr oder weniger von der In­frastruktur der Pfarrei profitieren. Ein Pfarrhaus – als Dienstwohnung – dient dem Priester dazu, ein Dach über dem Kopf zu haben und unter anderem Menschen darin empfangen zu können. Die Pfarrkirche dient den Geistlichen, besonders aber den Gläubigen (!), als angemessener Ort gottesdienstlicher Feiern. Nicht der Klerus profitiert in erster Linie vom Kirchengut der Pfarrei, sondern die Pfarreiangehörigen! Wenn ein Pfarrer stirbt oder die Pfarrei verlässt, wird er das Kirchengut nicht persönlich vererben beziehungsweise mitnehmen können, sondern übergibt es treuhänderisch seinem Nachfolger. Eine Entflechtung von Kirche und Staat dient also einer angemessenen Seelsorge. Was gewisse Kreise in diesem Zusammenhang behaupten, ist Stimmungsmache gegen die Kirche und bewusste Angstmacherei. Man trifft durch eine Torpedierung einer zweckmässigen Entflechtung von Kirche und Staat nicht in erster Linie den Klerus in unserem Land oder den Erzbischof von Vaduz, sondern immer die Pfarreiangehörigen vor Ort!
Wenn der Vorsteher von Gamprin-Bendern der Auffassung ist, dass das Bild des «Don Camillo» gut zu mir passen würde, so kann ich damit ganz gut leben. Sagte doch unser Papst Franziskus, er wünsche sich mehr Priester wie «Don Camillo». Ob unser Vorsteher aber ins Bild des kommunistischen «Peppone» aus dem Film passt, der – trotz seiner kommunistischen Gesinnung – zutiefst in seinem Innern doch noch eine katholische Seele hatte, muss der Vorsteher selbst wissen.

Roland Casutt,
Pfarrer von Bendern

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