Leserbrief

Eurolöhne in Liechtenstein sind unfair und kontraproduktiv

Landtagsfraktion der Freien Liste | 2. April 2016

Währung der Löhne

Jede Arbeitgeberin hat eigentlich laut Gesetz eine Fürsorgepflicht. Sie muss etwas gegen krankmachenden Stress im Unternehmen «unternehmen» oder ihn gar nicht erst zulassen. Die Folgekosten von Stress am Arbeitsplatz zahlt die Gesellschaft. Jüngst wurde vermeldet, dass sich die Liechtensteiner Konjunktur vom Einbruch wegen des starken Frankens erholt hat. Die Wirtschaft ist gesund. Doch wie geht es den hart arbeitenden Menschen aus dem Niedriglohnbereich? Diese mussten teilweise die Wochenarbeitszeit erhöhen und noch flexibler und produktiver arbeiten. Darunter leidet auch die Sicherheit am Arbeitsplatz. Und seit letztem Jahr werden zu alledem in einigen Firmen noch versteckt Löhne gekürzt, indem Eurolöhne zu Fantasiekursen eingeführt wurden.
Spitzenreiter, der Stress verursacht, ist laut einer Umfrage des SECO mit 43 Prozent ein hohes Arbeitstempo. Mit 35 Prozent folgen Umstrukturierungen, mit 31 Prozent ein Ungleichgewicht zwischen Leistung und Wertschätzung. Im letzten Jahr sind die Löhne und somit die Leistungsvergütung für eine Gruppe von Arbeitnehmenden wegen der Umstellung auf Eurolöhne gesunken. Es lässt sich leicht ausmalen, dass viele Angestellte wegen dieser Diskriminierung psychisch stark unter Druck geraten sind, zumal sie häufig bereits Löhne hatten, mit denen sie ihre Familie nur knapp durchbringen konnten.
Wenn die Arbeitgeberin ihre Fürsorgepflicht für die Angestellten missachtet, muss aus Sicht der Freien Liste der Gesetzgeber aktiv werden. Im April-Landtag hat die Politik die Chance, Eurolöhnen einen Riegel zu schieben. Die Löhne müssen in einem Unternehmen auf alle gerecht verteilt, anstatt für einige diskriminierend gesenkt werden: «Es langat för alli!» Ein Verwaltungsrat eines Unternehmens, das im letzten Sommer auf Eurolöhne umgestellt hat, räumte ein, dass die Kaderlöhne im Vergleich zu Löhnen im Niedrigsegment prozentual stärker angestiegen sind. Aus Sicht der Freien Liste darf es nicht sein, dass Kader und Unternehmer in einer Sparte des Unternehmens immer mehr einnehmen und den Angestellten in der anderen Sparte die Leistungsanerkennung gekürzt wird. Eurolöhne, welche langfristig geplant sind, sind aber nicht nur für die Angestellten schädlich, sondern wegen den Folgekosten für die ganze Gesellschaft und den Staat. Wird gar nur Grenzgängern der Lohn in Euro ausgezahlt, wird der Lohnunterschied zwischen Einheimischen und Grenzgängern für die Zukunft zementiert. Wenn Grenzgänger billiger zu haben sind, haben Einheimische bei Anstellungen schlechtere Chancen und werden eher entlassen.
Weil Arbeitsbelastung, psychischer Druck und auch Lohndruck in den nächsten Jahren wohl noch mehr ansteigen, wird der Gesetzgeber nicht darum herumkommen, bald verantwortungsvolle Lösungen für Arbeitnehmende vorzulegen. Eine solidarische Gesellschaft mit gesunden Arbeitnehmenden, die anständige Löhne beziehen, ist für den Staat nicht nur am attraktivsten, sondern auch am billigsten.

Landtagsfraktion der Freien Liste

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