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Leserbrief

Hetzjagd gegen Ärzte geht weiter

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 15. März 2016

Reformen

Ich finde es verständlich und schmerzlich zugleich, zeigt es mir doch vielleicht eine «kampfesmüde» Ärztekammerpräsidentin, wenn sie in ihrem Interview vom 13. März 2016 in der «liezeit» schreibt: «Als Präsidentin der Ärztekammer ist es, wie Sie sagen, nicht nur meine Aufgabe, mich für die Kollegen einzusetzen, sondern auch, für ein gerechtes Gesundheitswesen zu kämpfen, das allen Personen die gleichen Behandlungsmöglichkeiten sicherstellt – jedenfalls habe ich das bislang so gesehen. Nach der KVG-Abstimmung bin ich allerdings nicht mehr sicher, dass diese Auffassung von der Mehrheit der Bevölkerung im Land geteilt wird. Das Misstrauen gegenüber uns Ärzten scheint – geschürt von Politik und Kassen und einer unsäglichen polemischen Hetzjagd – sehr gross zu sein. Vielleicht ist es daher wirklich an der Zeit, die Politik und die Kassen das Gesundheitswesen alleine gestalten zu lassen, diesen beiden Mächten dann aber auch die gesamte Verantwortung dafür zu überlassen. Das würde die Kammer und mich als Präsidentin natürlich sehr entlasten. Allerdings bereue ich mein Engagement in der Vergangenheit nicht, obwohl ich teuer dafür bezahlen musste. Ich werde mir selbst wenigstens nie vorwerfen können, nicht versucht zu haben, unser Gesundheitswesen vor politischem Raubbau und schädlichen Reformen zu bewahren. Und ich bin nach wie vor der Meinung, dass der aktuell eingeschlagene Weg grundfalsch ist, die Solidarität im System aushebelt, die Kranken und sozial Schwachen benachteiligt.»
Diese schädlichen Reformen zeigen sich wunderbar schwarz auf weiss in einer massiven Erhöhung der Laborkosten von rund 600 000 Franken innerhalb eines Jahres. «Da die Preise in Liechtenstein wesentlich über jenen der Schweiz lagen, sei, um die Kosten in den Griff zu bekommen, der Taxpunktwert gesenkt worden. Aufseiten der Menge bleibe weiterhin noch einiges zu tun. Bei besonders auffälligen Leistungserbringern wurden daher Wirtschaftlichkeitsverfahren eingeleitet, sagte dazu Pedrazzini. Dass die Regierung bewusst eine Verlagerung von den Ärzten hin zu den Grosslaboratorien herbeiführen will, wies er zurück. Dies sei eine Unterstellung.» («Vaterland», 7. März 2016). Soviel zur «Rechtfertigung» dieses Defizites aus ministerialem Munde.
Die Hetzjagd auf die Leistungserbringer, sprich Ärzte, geht also munter weiter, wahrscheinlich sind sie auch schuld an diesen 600 000 Franken, die durch den Reformbeschluss in den Sand gesetzt wurden. Komischerweise ging auch kein Aufschrei durch den Blätterwald, es scheint einem grossen Teil des Volkes wirklich gleichgültig zu sein, was im Gesundheitswesen schief läuft.
Ich befürchte, dass die unabwendbaren Folgen dieses falschen Weges Stück für Stück ans Licht kommen und niemand die Verantwortung dafür trägt. (Wie war das mit der Pensionskasse und mit der Post?) Bezahlen dafür wird der einzelne Patient und wenn möglich sein Arzt mit einem WZW-Verfahren.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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