Leserbrief

An die Entrüsteten

Jo SchädlerEschnerstrasse 64, Bendern | 21. August 2017

Es wird Ihnen nicht möglich sein, in all meinen Texten auch nur ansatzweise eine Passage zu finden, wo ich die Homosexualität infrage stelle, etwas dagegen geschrieben habe oder gegen Schwule hetze. Ob einer schwul ist oder nicht, ist mir nämlich so lang wie breit, um nicht zu sagen völlig wurscht. Es gibt einige Schwule und Lesben in meinem Bekanntenkreis und wir haben keine Probleme miteinander. Ganz im Gegenteil. Ich zaudere auch nicht damit, wenn aus deren Reihen andauernd Beleidigungen, Zustands- und Geschichtsverletzungen kreiert werden und dabei die Gesellschaft als den einzig Schuldigen für die Probleme des Schwulendaseins bezichtigt wird. Tatsächlich würde ich nachdenklich, wenn ich diese Ansichten als von Gott gegeben zu betrachten hätte und mir jede Möglichkeit der Gegendarstellung genommen würde. Und erst hier und nur hier gönne ich mir den Griff zur Tastatur. Dass die beschauliche Betrachtung der sanitären Zustände und die Probleme mit den Fäkalien am Hofe der Sonnenkönige jenen die Grabesruhe raubt, halte ich für unrealistisch. Die menschlichen Zustände, die Meinungsfreiheit zu verteidigen und gleichzeitig für seine Zwecke die Medien aufzuhetzen, sind dagegen leider real. Wenn Schwule auf das Menschenrecht pochen, um es dann dazu zu benutzen, die Gesellschaft, dessen Mitglied ich ja leider auch bin, als krank und als Krebsgeschwür zu beschimpfen, raubt schon eher die Ruhe. Oder jene, welche den Darwinismus nicht pauschal für alles gelten lassen, als unterintelligente und bildungsferne Frevler zu beleidigen. Wenn man prophylaktisch zum Thema Leihmutterschaft sofort einen katholischen Ketzer ausmacht. Oder man aus dem über tausendjährigen Reich der Römer eine kurze Passage zu seinen Gunsten zweckentfremdet und gar die Homosexualität der Tiere für seine Absichten einflies-sen lässt, dabei pauschal die Zweifler an solchen Theorien als homosexuellenfeindliche Hetzer taxiert. Ich verstehe auch den Unmut jener, welche sich an dem unantastbaren, über allem stehenden Kampf für die Rechte der Schwulen und Lesben nur aus Eigennutz, sozusagen als Robin Hood im Kampf gegen Unterdrückung beteiligen, wenn man ihnen die Maske vom Gesicht nimmt. Das Verhüllungsverbot verlangt das ja ohnehin. Das Mittelalter war grausem, bei den Tieren gibt es Grausamkeiten, bei den Römern gab es das, es gab das immer, auch heute. Immer fängt Grausamkeit damit an, dem anderen das Maul zu verbieten und Moral sowie Deutungshochheit für sich ganz alleine zu beanspruchen.

Jo Schädler
Eschnerstrasse 64, Bendern

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