Leserbrief

Falsche Streckenführung

Hans Frommelt,Gapont, Triesen | 18. August 2017

S-Bahn «FL–A–CH»

Das «Vaterland»-Magazin interviewte anlässlich des Staatsfeiertags 2017 auch Vize-Regierungschef und Verkehrsminister Daniel Risch. Woher seine Skepsis gegenüber dem S-Bahnprojekt «FL–A–CH» kommt, war eine Frage. Daniel Risch meint, dass wir unsere Verkehrsprobleme nicht mit einer S-Bahn rasch lösen können. Die Gründe dafür sind einerseits die Akzeptanz in der Bevölkerung und andererseits die ungeklärte Finanzierung. Interessant wäre nun zu wissen, warum gemäss der Einschätzung von Daniel Risch die S-Bahn «FL–A–CH» bei der Bevölkerung keine Akzeptanz findet.
Ist da die Bevölkerung schlauer als die Vorgängerregierungen, die die S-Bahn immer favorisierten?
Ein wesentlicher Punkt, warum man skeptisch ist, liegt bei der einspurigen Streckenführung durch Schaan und den sechs Bahnübergängen mit Barrieren. In den Zeitungen liesst man immer wieder von Bahnzusammenstössen und Fastzusammenstössen auf einspurigen Streckenabschnitten. Meistens steckt menschliches Versagen dahinter. Beim Zugzusammenstoss zweier Personenzüge vor rund einem Jahr auf einem einspurigen Streckenabschnitt bei Bad Aibling in der Nähe von Rosenheim starben zwölf Menschen, 89 wurden verletzt, davon 26 schwer. Angesichts des tragischen Zugzusammenstos-ses ist das vorliegende S-Bahn-Projekt mit der eingleisigen Streckenführung mitten durch Schaan auch aus diesem Gesichtspunkt zu verwerfen. Die Kollision eines Zuges mit einem Reisecar vor einem Jahr, Mitten in Interlaken, auf einem mit Barrieren gesicherten Bahnübergang, ist ein weiteres Beispiel. Von den 35 Car-Insassen wurden 17 leicht bis mittelschwer verletzt. Auch dieser Zugzusammenstoss mit einem Autocar auf einem gesicherten Bahnübergang sollte als Warnung gelten, dass das S-Bahn-Projekt «FL–A–CH», wenn die sechs Bahnübergänge mitten in Schaan bestehen bleiben, nicht realisiert werden darf.
Unverständlich ist auch, dass eine internationale Bahnlinie in Doppelspur, von Wien durch Liechtenstein bis Paris und Hamburg, für ein paar Kilometer, von Schaanwald bis Buchs im S-Bahnprojekt «FL–A–CH» weiterhin eingleisig geführt wird. Wir leben nicht mehr zu Dampflokomotivenzeiten.
Es ist richtig, wie Daniel Risch bemerkt, dass man bei der Digitalisierung, dem Glasfaserausbau und der Mobilfunktechnologie den Fortschritt beachtet und endlich unverzüglich sich dem Stand der Technik anpasst.
Bei Bahnprojekten kommt noch die Sicherheit auf der Strasse und der Eisenbahnschiene dazu. Im Fall Schaan und auch Nendeln kann die Sicherheit nur durch eine Doppelspur und die Eliminierung sämtlicher niveaugleicher Bahnübergänge erhöht werden. Es braucht eine neue Streckenführung.

Hans Frommelt,
Gapont, Triesen

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