Leserbrief

Sehr geehrter Herr Markus Sprenger

Dr.med. Marco OspeltToniäulestrasse 3, Vaduz | 6. Dezember 2018

Wir sind schon eine bigotte Gesellschaft. Reden gerne von unseren christlichen Grundwerten. Und trotzdem schert sich das christliche Europa nicht darum, dass das Mittelmeer zum Massengrab verkommt. Und trotzdem haben wir uns in unserem kleinen Land nicht dafür geschämt, dass wir über Jahrzehnte Jahr für Jahr billige Arbeitskräfte herangekarrt haben. Sie in Baracken zusammengepfercht haben leben lassen. Ihnen verwehrt haben, ihre Familien mitzubringen.
Staaten müssen ihre Zuwanderung steuern. Trotzdem ist es gut, wenn sie sich Regeln geben, die solche Zustände verhindern, wie sie damals bei uns unter dem Saisonnier-Statut bestanden haben und wie sie angeblich zum Beispiel in Katar heute noch bestehen. Regeln, die dazu führen, dass gegen das Massensterben im Mittelmeer etwas unternommen wird. Wenn wir unsere christliche Soziallehre ernst nähmen, müssten wir uns dafür einsetzen. Nähmen wir sie ernst, würden wir dafür sorgen, dass auch die weniger Privilegierten in unserer Gesellschaft ohne Existenzängste leben können.
Jeden, der mit dem Aufkleber «für Gott, Fürst und Vaterland» herumfährt, würde ich gerne fragen, wann er zuletzt in der Kirche war. Um herauszufinden, wie gut sich Fürst und Vaterland auf ihn verlassen können.

Dr.med. Marco Ospelt
Toniäulestrasse 3, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2018, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung