Leserbrief

Schmierenpresse!

Willy Marxer,Schwarze Strasse 4, Eschen | 10. Oktober 2018

Wer ist als Zeitungsleser nicht enttäuscht oder gar verärgert, wenn die hiesige Presse wiederholt über Landes-, Treuhänder- oder Bankenskandale zu berichten hat und dabei keine Namen von Verantwortlichen oder Tätern nennt. Dies selbst dann nicht, wenn es sich um Ausländer ohne «Anhang» im Land handelt. Persönlichkeitsschutz? Nun, einerseits gibt es hierzulande bei dubiosen Machenschaften zunehmend keine Verantwortlichen. Es gibt keine Schuldigen mehr zu nennen, sei der angerichtete Schaden noch so gross. Und andererseits bedeuten die Namen straffällig gewordener Bürger in der hiesigen Berichterstattung, dass diese samt ihrem Umfeld der direkten Konfrontation mit der Bevölkerung ausgesetzt würden. Dies galt - zumindest bisher – als unüblich und wäre m. E. dem Renommee einer seriösen Landeszeitung nicht zuträglich.
In unserem Land wird noch zu Recht Rücksicht auf das persönliche Umfeld und die Verwandtschaft eines Straffälligen genommen, also auf Menschen, welche aufgrund eines solch einschneidenden Ereignisses ihre Zelte hier nicht einfach abbrechen und auswandern können. Sie leiden schon genug unter den Widrigkeiten eines straffälligen Familienmitgliedes. Rücksichtnahme ist in solchen Fällen ein Akt der Menschlichkeit und normaler Anstand. Diesen vermisse ich total bei den zwei Berichterstattern im folgenden Fall.
Ausgestattet mit dem Artikel einer Journalistin, die kürzlich im «Beobachter» über das Fehlverhalten eines Heilers vor ein paar Jahren hier im Land berichtete, blasen David Sele im «Volksblatt» und «manu» (bleibt lieber namenlos) im «Vaterland» zur unverhofften Attacke gegen den bereits vor circa vier Jahren vom Landgericht abgeurteilten Liechtensteiner Straftäter. Dies mit voller Namensnennung in beiden Landeszeitungen. Das Ziel der Attacke dürfte wohl die Fortsetzung zusätzlicher Unannehmlichkeiten für den Täter und neues Leid für seine Familie sein. Was soll diese «journalistische Heldentat» mit «Schnee von gestern»? Warum diese gnadenlose Selbstjustiz der beiden? Im «Volksblatt» hat es die Story sogar auf die Titelseite geschafft. So was nenne ich Schmierenpresse miesester Art und mangelndes Einfühlungsvermögen obendrein.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Zur Tat und Strafe habe ich rein gar nichts zu sagen. Ich bin mit dem Verurteilten und seiner Familie weder verwandt, verschwägert noch befreundet. Mir tun diese Leute einfach nur sehr leid.

Willy Marxer,
Schwarze Strasse 4, Eschen

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