Leserbrief

Liechtenstein braucht keine Änderung

Liechtenstiener Jägerschaft | 7. Juli 2018

Stellungnahme der Liechtensteiner Jägerschaft zum Bericht «Schutzwaldbegehung der Alpgenossenschaft Gross-Steg».
Die Landeszeitungen druckten vergangene Woche einen Beitrag der Alpgenossenschaft Gross-Steg ab, worin zu lesen ist, in welch katastrophalem Zustand unsere Schutzwälder seien, und dass der Mut aufgebracht werden müsse, das heutige Jagdsystem völlig neu auszurichten. Ausserdem wird der Jagd die Schuld an der heutigen Situation zugeschoben – was jeglicher Grundlage entbehrt.
Die Forderung nach Systemänderungen bei der Jagd sind, aus der Feder von bestimmten Exponenten, nicht neu. Allerdings wurden bis jetzt noch keine konkreten Vorschläge erbracht, wie eine solche Systemänderung aussehen sollte und wie sie erfolgreicher sein könnte als das bisherige System. Wie auch? Das jetzige Jagdsystem Liechtensteins ist eines der besten in Europa. Seit rund 30 Jahren absolvieren Liechtensteiner Jungjäger eine eineinhalbjährige Ausbildung auf höchstem Niveau und werden dadurch nicht nur zu guten Jägern, sondern auch zu Fachleuten betreffend die ökologischen Zusammenhänge im gesamten Wildlebensraum. Die Abschusspläne der Regierung werden seit Jahren erfüllt, wenn möglich, wird über den Abschussplan hinaus Wild erlegt. Das System funktioniert bestens. Erfolge in der Waldverjüngung sind in den letzten Jahren sichtbar geworden.
Die rund 120 Liechtensteiner Jagdpächter leisten einen immensen Aufwand, um über 700 Stück Schalenwild zu erlegen, getrennt nach Alter und Geschlecht gemäss den Vorgaben des Abschussplans der Regierung. Sie erlegen auf gleicher Fläche bis zu sechs Mal mehr Schalenwild als die Jäger unserer Nachbarländer. Das kann nicht durch eine Handvoll vollamtlich tätiger Abschussnehmer geleistet werden, wie von gewissen Kreisen gefordert wird. Die Wildlebensräume sind ein offenes System, das über die Landesgrenzen hinaus reicht. Hätte Liechtenstein einen wilddichten Zaum an den Grenzen, wären Hirsch, Gams und Reh durch die bisher getätigten Abschüsse schon lange ausgerottet. Das Land bekommt jährlich Zuwachs von aussen und muss einwanderndes Wild ebenfalls noch bejagen, was der Hauptgrund für die schleppende Bestandsreduktion ist.
Fast gleichviele Stunden wie für die Jagd werden für die Instandhaltung von Reviereinrichtungen aufgewendet, für nächtliche Einsätze bei Wildunfällen, Öffentlichkeitsarbeit an Schulen, für die Erhaltung von Wildäsungsflächen im Wald, Erhalt und Unterhalt von Magerwiesen, Kitzrettung während der Mäharbeiten und vieles mehr. Die zusätzlichen Arbeiten in den Revieren sind derart vielseitig und zeitaufwendig und vor allem ehrenamtlich, dass diese als Leistungen für das gesamte Ökosystem dienen und somit für eine sehr grosse Anzahl von Lebewesen förderlich sind. Diese Mehrarbeit könnte die öffentliche Hand nur mit einem unverhältnismässig hohen personellen und finanziellen Aufwand leisten, wenn überhaupt.
Die finanzielle Leistung der Jagdpächter an den Staat für das Recht der Jagdausübung aufgrund der Pachtverträge, inklusive Jagdabgabe, beträgt pro Jahr ungefähr eine halbe Million Franken, hinzu kommen die Beiträge der Pächter an die hauptberuflichen und nebenberuflichen Jagdaufseher, die gleichfalls beträchtlich sind. Es ist notwendig die Öffentlichkeit ungeschminkt zu informieren und über das Verhalten von jagdfeindlichen Kreisen, die unter dem Deckmantel der Schutzwaldproblematik agieren, aufzuklären! Es ist an der Zeit, den unverhältnismässig hohen finanziellen Aufwand, den sich die Gemeinden und der Staat auf Kosten der Steuerzahler im Bereich der Liechtensteiner Forstwirtschaft leisten, aufgrund von Vergleichen in der Schweiz und Österreich aufzuzeigen und Veränderungen zu verlangen.
Die bestehenden gesetzlichen Grundlagen für eine nachhaltige Regulierung der Wildbestände sind völlig ausreichend. Das bestehende Jagdsystem ist ausgereift und wird von den Jägern auf hohem Niveau ausgeführt. Der Prozess der Wildbestandsreduktion ist schon etliche Jahre erfolgreich im Gange und wird weitergeführt. Die lauten Rufe nach einer wie auch immer gearteten Systemänderung vonseiten nicht jagdkundiger und wildunkundiger Leute helfen dabei nicht. Vielmehr müsste der Ruf nach Veränderung dahin gehen, dass endlich all die weiteren Massnahmen umgesetzt werden, die der Beruhigung und Aufwertung der Lebensräume aller wildlebenden Tierarten dienen. Verschiedene Gutachten und auch die Bestimmungen des Jagdgesetzes und des Naturschutzgesetzes fordern den verbesserten Schutz der Wildlebensräume. Diese Massnahmen sind unbequem und werden deshalb auf die lange Bank geschoben. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, nicht bei der Jagd.

Liechtenstiener Jägerschaft

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