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Leserbrief

Die Regierung und der Urwald

Herbert Elkuch, Schellenberg, DU-Landtagsabgeordneter | 12. Mai 2018

Die Liechtensteinische Gasversorgung (LGV) beschloss, rund 50 000 Tonnen CO2 pro Jahr mit globalen Umweltprojekten für alle Gaskunden zu kompensieren. Diese Kompensation bezahlt indirekt der Gaskunde. Die LGV beschafft CO2-Zertifikate über das Amt für Umwelt. Das Amt beschafft diese von Kompensationsdienstleistern. In welchen Ländern und Projekten die Dienstleister tätig sind, wusste die Regierung nicht, zur Kostenfrage der 50 000 Zertifikate: Ja so zwischen 2 und 10 Franken pro Stück.
Im Gegensatz dazu, im April 2016, von der damaligen Regierungsrätin eine klare Antwort für Zertifikatskäufe in der Vergangenheit. Daraus ein paar Stichworte: Die Zertifikate stammten aus Projekten in Brasilien, Thailand und Indien. Der Zertifikatspreis betrug in Brasilien und Thailand 20 und Indien 17 Euro pro Zertifikat. Liechtenstein bezahlte 5 778 345 Franken. Die LGV beschafft neu jährlich 50 000 Zertifikate, ohne ihre Kunden zu fragen und keine Info, in welche Länder zu welchem Zweck wie viel Kundengelder fliessen. In unserem Land gibt es pflegbedürftige Schutzwälder. Die Regierung am 9. Juni 2017: «Aber etwas müssen wir uns einfach bewusst sein: Wenn wir irgendwo im Urwald etwas aufforsten können, können wir mit einem Franken wahnsinnig viel erreichen.» Meine Meinung: Wir brauchen eine Regierung, die sich für Land und Volk einsetzt, aber keine Regierung, die mit dem Geld der Bürger von hier die Urwälder aufforstet, welche vielleicht am anderen Ende gleich wieder abgeholzt werden.
Die CO2-Zertifikate haben nichts mit der CO2-Abgabe auf der Gas-Rechnung zu tun. Die Zertifikatskosten werden wohl im Gaspreis versteckt. Die Gasversorgung schöpfte 2017 2,43 Mio. Franken Reingewinn ab. Das bedeutet, im Schnitt pro Kunde ca. 510 Franken mehr auf die Rechnung geschrieben, als die Grundversorgung tatsächlich gekostet hat. Dem Landtag werden die Geschäftsberichte nur zur Kenntnisnahme vorgelegt, die Oberaufsicht hat die Regierung.
Im Klimaabkommen von Paris ist lediglich die Formulierung von ambitionierten Zielen festgelegt. Die Beteiligung an Klimaprojekten ist freiwillig. Dieses Recht der freiwilligen Beteiligung müsste auch den Kunden der LGV zustehen. Bei der LKW kann der Kunde zwischen ökologisch oder konventionell auswählen, so ist es korrekt. Die unterschiedliche Vorgangsweise der Grundversorger ergibt, je nachdem, ob die Heizung für eine Wärmepumpe oder für Gas eingerichtet ist, eine Ungleichbehandlung der Bürger. Die einen können freiwillig, die anderen müssen bezahlen.

Herbert Elkuch,
Schellenberg,
DU-Landtagsabgeordneter

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