Leserbrief

Ich kann dem Papst gut nachfühlen ...

Othmar Kähli,bis 1990 Pfarrer in Balzers,Frauensteinmatt 2, Zug | 28. Dezember 2017

Lesermeinung zum Artikel «Krebsgeschwür, Verräter und Komplotte – Papst kritisiert Kurie», erschienen im «Volksblatt» vom 22. Dezember:

«In Rom Reformen zu machen ist, wie die Sphinx in Ägypten mit einer Zahnbürste zu putzen» – dieses Wort des Papstes erinnert mich sofort an Papst Johannes XXIII., der während eines Gesprächs mit Kardinälen ans Fenster ging, es öffnete und sagte, dass es für die Kirche notwendig sei, frische Luft hereinzulassen. Damals war es vor allem Kardinal Alfredo Ottaviani, der den Papst davon abhalten wollte, ein Konzil einzuberufen. Zum Glück konnte sich der Papst an Kardinäle wenden, die ihn in seinem Vorhaben unterstützten. So sind mir heute noch Kardinäle in guter Erinnerung, die das II. Vatikanum mitgeprägt haben. Es waren dies vor allem die Kardinäle Léon-Joseph Suenens, Julius Döpfner, Joseph Frings, Carl Joseph Leiprecht und Franz König.
Bekanntlich haben nach dem Konzil wieder Kardinäle im Vatikan mitgeholfen, die konkreten Pläne des Konzils nicht umzusetzen. Ein besonderes Beispiel dafür ist das Zusammenwirken von Kardinal Ottaviani und Erzbischof Lefebre, die aus Enttäuschung über die erneuerte Liturgie gegen den Papst die Priesterbruderschaft Pius X. gründeten.
Was könnte getan werden, um Papst Franziskus zu helfen, das Leben der Kirche der heutigen Zeit anzupassen? Wenn der Papst ein gutes Schreiben wie «Amoris laetitia» verfasst und Kardinäle im Vatikan es ablehnen, würde ich von unseren Bischöfen – nicht nur die aus der Schweiz – erwarten, dass sie sich zusammentun und wie damals vor dem II. Vatikanum dem Papst den Rücken stärken und seine Ideen umsetzen. Wäre das nicht ein guter Wunsch für das neue Jahr?

Othmar Kähli,
bis 1990 Pfarrer in Balzers,
Frauensteinmatt 2, Zug

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