Leserbrief

Der Papst und Xi, Zukunftsträchtiges aus der Geschichte, Teil zwei

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 23. November 2017

Glaube und Politik

1978 war ich Direktor des Nationalinstituts für Technologieübertragung in Argentinien, dessen Zentrale in San Miguel lag. Wir hatten dafür das Observatorium der Gesellschaft Jesu gekauft und sein Personal übernommen. Nebenan befand sich der Sitz des Provinzials, des Leiters der Jesuiten, seit 1973 Jorge Bergoglio SJ, den mein nächster Mitarbeiter, Raul Estol, und ich täglich wegen der Übernahme treffen mussten. Oft hatten wir Mittag- oder Abendessen zusammen. Gemeinsamkeiten zwischen uns gab es viele. Raul Estol hatte selbst die geistlichen Übungen des Ignatius absolviert, schätzte JB SJ, seinen Exerzitienmeister, hoch und erforschte das Buch der Wandlungen, ein grundlegendes Werk der altchinesischen Literatur. Dafür hatte ich mich schon im Gymnasium interessiert, als ich H. Hesses «Glasperlenspiel» las und einen Hinweis auf das I Ging fand. Jorge Bergoglio hatte sich seit dem Noviziat mit China beschäftigt. Dazu bewegte ihn der Fall von Ferdinand Verbiest, einem Jesuiten, der nach Südamerika wollte, aber nach China, wo er 1660 eintraf, gesandt wurde.
Verbiest, ein mathematisches Genie, berechnete den chinesischen Kalender neu und brachte den Bauern bei, die Saatzeiten zu ändern. Die Ernten verdoppelten sich. Kaiser Kangxi ernannte Verbiest 1669 zum Leiter des Kalenderamtes. Die Anzahl der Katholiken wuchs damals in China epochal an. Alle Priester hielten die Messe in der Landessprache. Wie war aber die Lage der Kirche in China März 1978, als JB SJ uns darüber unterrichtete?
Die Sieger warfen Pius XII. 1945 vor, die Nazis seit 1933 mit dem Reichskonkordat unterstützt zu haben. Um einzulenken, bekannte sich der Papst zum Westen. Als Mao in China 1949 die Macht übernahm, wies Pius XII. die Gläubigen an, Widerstand zu leisten. Die Jesuiten gehorchten aufs Wort und wanderten ins Gefängnis. Beim Verhör schwiegen manche. Andere sagten die Wahrheit, ohne Dritte zu belasten. Ein Bruder, den die Gestapo 1943 in Lyon verhaftete und folterte, hatte alle auf das Schlimmste vorbereitet. Zu Volksfeinden erklärt, erhielten viele Haftstrafen. Aus dem Konflikt ergab sich eine Scheidung zwischen Staats- und Untergrundkirche. JB SJ hoffte seinerzeit, dass Papst Paul VI. aufgrund des 2. Vatikanums dafür sorgen würde, die Einheit wiederherzustellen.
Was hat der neue Papst seit März 2013 für China getan? Damals sagte er uns: «Was das Schisma in China betrifft, weiss ich keinen Rat. Ein Wunder brauchen wir!» Ende 2016 geschah das Wunder! Darüber erzähle ich im abschliessenden Leserbrief.

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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