Leserbrief

Einige FBP-Vertreter halten Frauen in der Politik für unnötig

Verein «Hoi Quote» | 6. November 2017

Quotendiskussion

Am 2. November beschäftigte sich der FBP-Landesvorstand mit dem Thema Geschlechterquote. Als Gäste eingeladen waren Wilfried Marxer vom Liechtenstein-Institut und Katrin Hasler sowie Corina Vogt-Beck von Hoi Quote. Wilfried Marxer zeigte in seiner Präsentation auf, dass die Wahlchancen von Frauen (15,8 %) in Liechtenstein dreimal kleiner sind als jene von Männern (42,3 %). Heute liegt Liechtenstein deshalb bezüglich Repräsentanz von Frauen im Parlament international auf dem 147. Platz – fast 50 Plätze hinter ­Saudi-Arabien, wo Frauen nicht Auto fahren, alleine reisen, ohne Erlaubnis arbeiten oder unverschleiert vor die Tür dürfen. Was sind die Gründe? Katrin Hasler erörterte in ihrer Präsentation, dass Frauen aufgrund von Geschlechterstereotypen als weniger kompetent oder als weniger sympathisch wahrgenommen werden als Männer mit dem exakt gleichen Profil – das belegen etliche Studien. Diese zwei Kriterien sind aber entscheidend für den Wahlerfolg. Das führt dazu, dass Frauen dreimal häufiger gestrichen werden als Männer – zu Unrecht. Im bestehenden Wahlsystem sind Frauen deshalb praktisch chancenlos. Wirksame Abhilfe kann nur eine Mandatsquote oder die Anpassung des Wahlsystems bringen. In der Diskussion mit dem FBP Landesvorstand zeigte sich, dass innerhalb der Partei alles andere als Einigkeit besteht. Einige sprachen sich klar für eine Quote aus, andere für die Suche nach Alternativen. Empörend aus Sicht von Hoi Quote war aber, dass einige Männer die Repräsentanz von Frauen als schlicht unnötig taxierten. Immer wieder wird in der Öffentlichkeit betont, man sei sich im Ziel einig: offensichtlich eine Falschaussage, um Frauen zu besänftigen. Ebenfalls auffallend: Während der Diskussion mit den Vertreterinnen von Hoi Quote meldete sich keines der weiblichen Parteimitglieder zu Wort. Über die Gründe kann man nur mutmassen. Haben die FBP-Frauen bereits aufgegeben? Begehen sie politischen Selbstmord, wenn sie ihren Parteikollegen die Stirn bieten? Oder denken sie, dass die männlichen Befürworter ihre Geschlechtskollegen besser überzeugen können? Was sind das für Strukturen, die gestandene Frauen verstummen lassen? Die Vertretung von Frauen geht alle etwas an. Es geht nicht um Frauen gegen Männer, sondern um ein Miteinander auf Augenhöhe. Frauen müssen sich engagieren und Männer müssen sie ernst nehmen, wenn sie mehr Mitspracherecht fordern. Dann können wir Saudi-Arabien vielleicht bei den nächsten Wahlen wieder überholen.

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