Leserbrief

Allerheiligen – Einmal anders

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 31. Oktober 2015

Glaube

Das Konzil betonte vor 50 Jahren die gleiche Würde aller Menschen, weil alle Kinder Gottes sind, nach seinem Bild erschaffen. Alle haben das Recht auf Gewissensfreiheit und die Pflicht, dem «reifen» Gewissen zu folgen. Manche – nicht römische Katholiken – taten und tun es vorbildlich. Ich «träume» manchmal, dass ich im Himmel «Heiligen» begegnen werde, wie Gandhi, der – ohne Christ zu werden – seinen Landsleuten im Befreiungskampf Indiens sagte: «Es muss noch viel Blut fliessen … aber das soll unser Blut sein.»
Oder Martin Luther King, der in seiner Kirche erschossen wurde, weil er gleiche Menschen-Rechte für die Schwarzen einforderte: «Ihr könnt uns misshandeln, töten – wir werden euch trotzdem lieben.» Beide siegten – durch den Tod hindurch – wie der Mensch gewordene Gott, der am Kreuz gesiegt hat.
Der beim Begräbnis am 10. Dezember 2013 weltweit gefeierte Mandela ist während seiner 27-jährigen Gefangenschaft vom Terroristen zum Menschenfreund geworden. Nach seiner «Begnadigung» verzichtete er auf Rache. Die Bewunderung der ganzen Welt «verdiente» er sich durch die «Wahrheitskommission» zur Aussöhnung der Feinde. Er ist sicher im Paradies, – wie es Jesus dem reumütigen Schächer neben ihm auf Golgota versprochen hat.
Einheit in der Verschiedenheit oder «versöhnte Vielfalt», von der Dr. Bucher so gerne sprach, ist von der Schöpfung vorgegeben, denn Gott schafft keine Kopien. Aber Freiheit heisst nicht Beliebigkeit! Meine Freiheit hört auf, wo die gleiche Freiheit der anderen beginnt. Sie orientiert sich an der Wahrheit, am Wohl aller. Diese Freiheit wünsche ich allen.

Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2018, Alle Rechte vorbehalten.