Leserbrief

Schaanwald in den letzten Kriegs-tagen 1945

Robert Allgäuer,Schalunstrasse 17, Vaduz | 26. September 2015

Flüchtlingskrise

Herr Udo Meesters schätzt aus meiner Sicht in seinem gestrigen Leserbrief die Lage völlig nüchtern und rational ein. Ich bin überzeugt, dass die Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel – «Für syrische Flüchtlinge gibt es keine Obergrenze» – von Herzen kam, aber leider ohne Verstand getroffen wurde. Gemäss Medienberichten werden in der Türkei bereits syrische Pässe gehandelt.
Auch für unser Land war es sicher nicht klug, offiziell anzukündigen, dass wir nun eine Containersiedlung bauen werden. Weiter wird vorgeschlagen, wir hätten ja noch viele leerstehende Wohnungen in Liechtenstein.
Wir werden alles zu füllen bringen, dessen bin ich überzeugt. Wenn die Leute nicht selbst kommen, werden sie geholt werden, wie in früheren Fällen.
Wer trägt am Schluss die Verantwortung für die Folgen dieses kurzfristig gut gemeinten Handelns?

Herbert Bürzle,
Heraweg 31, Balzers

Als vor fünf Jahren der Bestseller «Deutschland schafft sich ab!» von Thilo Sarrazin erschien, ging ein Aufschrei durch Deutschland und ganz Europa. Sarrazin hatte es gewagt, Fakten zu publizieren und Prognosen zu stellen, die selbst von eingefleischten Kritikern nicht widerlegt werden konnten. Im Gegenteil. Die aktuelle Migrationswelle unterstreicht die Veränderung der abendländischen Kultur und wird die Veränderungen beschleunigen. Die demografische Entwicklung Deutschlands und Europas mit Flüchtlingen abbremsen zu wollen, ist eine Farce. Sarrazin hat die Probleme und Erfahrungen Deutschlands genau analysiert. Herkunftskultur, Bildungsniveau, ethnische Zusammensetzung sind wichtige Komponenten, die es zu berücksichtigen gilt.
Fakt ist: Die Aussengrenzen Europas sind derzeit nicht mehr sicher. Das EU-Asylrecht ist ausser Kraft. Viele europäische Nationen sind massiv überfordert. Die EU-Politiker haben versagt. Die Migrationswelle wird erst gestoppt werden, wenn Schlepper wirksam bekämpft und Auffanglager finanziell wirkungsvoll unterstützt werden sowie eine Einigung mit den Schleuserländern im Nahen Osten getroffen werden kann. Der türkische Präsident Erdogan zählt derzeit zum bedeutendsten Schleusermeister, dabei erteilt die Türkei keinem einzigen Flüchtling Asyl.
Bayerns CSU-Chef Horst Seehofer erklärte vergangene Woche vor laufender Kamera, dass nach Bayern in nennenswertem Umfang Menschen kämen, die nicht an Leib und Leben bedroht seien. Seehofer sprach von einem Missbrauch des Asylrechts. Er forderte die deutsche Regierung auf, den Missbrauch zu stoppen. Frau Merkel scheint gelähmt und schwelgt noch in ihren poetischen Phrasen. Deutschland versucht, die Flüchtlingsproblematik mittels einer Quotenverteilung innerhalb der EU etwas abzuschwächen.
Nur, wer will Flüchtlinge übernehmen, die zu einem bedeutenden Teil keine sind und auf illegalem Weg nach Deutschland gekommen sind? Die Aufnahme aller Migranten grenzt an pseudoreligiöse Verblendung. Ungarn versucht, seine Schengenaussengrenze zu verteidigen. Schon hat man einen Buhmann. Der bullige Viktor Orban, Regierungschef von Ungarn, ist ein gefundenes Fressen für die Gutmenschen-Politiker. Eins ist aber klar, Viktor Orban gehört derzeit zu den wenigen Politikern, die sich nicht scheuen, logisch zu denken und zu handeln.
Der jüdische Nobelpreisträger, Imre Kertesz, der Auschwitz überlebte, galt jahrelang als Liebling der Linken und Gutmenschen. Nun hat er sich nach der Veröffentlichung seines letzten Buches die Bewunderung seiner Bewunderer verdor-ben. In diesem macht sich Kertesz grosse Sorgen um Europa und seine Kultur. «Die Gefahren», so schreibt er, «gehen einerseits von einer Überschwemmung Europas durch Muslime aus, andererseits von einem selbstmörderischen Liberalismus.» Die Tore sind weit geöffnet für den Islam, man wagt es nicht mehr, über Religion und Rassen zu reden, während der Islam nur Ablehnung gegenüber anderen Religionen kennt. Selbst wer Orban ablehnt, sollte Kertesz ernst nehmen, denn er ist geblieben, was er immer war: Ein hellsichtiger Beobachter Europas.

Ulrich Hoch,
Grüschaweg 11, Triesenberg

Personen, welche aus Vorarlberg nach Liechtenstein und in die Schweiz übertreten wollten, waren ab dem 22. April im gesamten Rheintal auf nur mehr zwei Grenzübergänge verwiesen, nämlich die schweizerischen Zollämter St. Margrethen und Schaanwald. Entsprechend drängten sich an diesen beiden Übergängen in den letzten April- und ersten Mai-Tagen Tausende von Übertrittswilligen. In Schaanwald traten innert zehn Tagen rund 10 000 Personen über. Das waren keine Flüchtlinge. Es waren vor allem nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeitskräfte, befreite Kriegsgefangene und über Hundert KZ-Häftlinge.
Die Eingelassenen wurden an der Grenze kurz von liechtensteinischen Helfern, darunter die Pfadfinderschaft und Fürstin Gina, verpflegt und darauf mit Lastwagen und einem Pendelzug nach Buchs weitergeführt. Dort fanden sanitarische Untersuchung, medizinische Betreuung und anschliessend die Weiterleitung in die Heimatländer statt.
(Quelle: Peter Geiger, «Kriegszeit Band 2», 2010)

Robert Allgäuer,
Schalunstrasse 17, Vaduz

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