Leserbrief

Ohne uns!

Landtagsfraktion der Freien ListeWeitere Leserbriefe auf Seite 6 | 26. September 2015

KVG-Revision

Die KVG-Revision geht nächste Woche in die zweite Lesung. Kommt das neue Gesetz, stellt das einen klaren Rückschritt in unserem Sozialdenken dar. Solidarität ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft, mit dem wir nicht leichtfertig umgehen dürfen.
Ich spreche aus persönlicher Betroffenheit, denn ich bin mit einem kranken Herzen geboren und jetzt trifft mich eine zweite Krankheit schwer. Ich bin dankbar, dass mir die Gesellschaft solidarisch beisteht, auch wenn ich genau wegen meiner Krankheiten hohe Kosten verursache.
Solidarität ist wichtig, vor allem bei den Sozialversicherungen. Es geht darum, füreinander einzustehen, dass die Gesunden die finanziellen Lasten von Krankheit mit den Erkrankten mittragen. Niemand sucht sich eine Krankheit aus oder wählt, mit einer Krankheit geboren zu werden und leben zu müssen. Und auch wenn Kranke hohe Kosten verursachen, darf in diesem Kontext nicht von «Verursachern» gesprochen werden, geschweige denn, dass Kranke als solche behandelt werden. Aber genau das will die neue KVG-Gesetzesvorlage mit der Erhöhung der Franchise und der Verdoppelung des Selbstbehalts. Der Kranke wird zur Kasse gebeten, und das nicht zu knapp. Ein Selbstbehalt von 20 Prozent ist für einen langfristig erkrankten Menschen geradezu eine gesetzlich institutionalisierte Bosheit und Bestrafung für eine eben nicht selbstverursachte Situation! Im neuen KVG steht der Gesunde als einziger Gewinner da. Dies ist der erste Schritt zur Entsolidarisierung zwischen den Gesunden und Kranken. Die Solidarität bleibt klar auf der Strecke, und mit ihr die Kranken.

Die neue KVG-Vorlage «soll das Bewusstsein für die Kosten im Gesundheitswesen schärfen». Die Regierung will also unser Verhalten ändern, uns sensibilisieren. Eine Umschulung des Verhaltens von kostenverursachenden Kranken ist aber nutzlos und falsch, denn als chronisch Erkrankte bin ich auf medizinische Leistungen angewiesen und nehme sie in Anspruch, ob ich die durch mich verursachten Kosten kenne oder nicht. Und meine Krankheit verhält sich auch nicht anders oder verschwindet über Nacht, nur weil sich mein Selbstbehalt verdoppelt hat!
Wichtig ist, dass ich mir der Solidarität der Gesunden mir gegenüber bewusst bin und der Gesellschaft dafür danke, ihr eventuell etwas zurückgebe in Form von Ehrenamt und Vereinen, so wie es bei mir der Fall ist.
Ich bin tief enttäuscht, dass die Regierung derart unsolidarische Gesetzesvorschläge ins Parlament einbringt und bitte alle Abgeordneten, den Gesetzesentwurf zum Wohle der Kranken abzulehnen.

Gratia Schatz,
Oberfeld 92, Triesen

Seit Anfang 2014 ist die Prämie der Grundversicherung von rund 260 auf 330 Franken gestiegen. Sie ist nicht deswegen so stark gestiegen, weil wir alle soviel öfter zum Arzt gehen, sondern weil der Landtag den Beitrag an die Kassen um rund 23 Millionen Franken gekürzt hat.
Jetzt kommt es noch dicker. Unsere Volksvertretung wird in der nächsten Woche mit Sicherheit beschlies-sen, dass unsere Kostenbeteiligung, sprich Selbstbehalt, fast verdoppelt wird. Er wird von jetzt maximal 800 Franken auf maximal 1400 Franken steigen.
Diese Kostensteigerung belastet einmal mehr den Mittelstand in erheblichem Mass. Viele Mittelstandsfamilien werden den Gürtel bedeutend enger schnallen müssen!
Frage: Denken unsere Politiker nicht mehr an den Mittelstand, dem sie doch mehrheitlich ihre Wahl zu verdanken haben?

Iris Jäger,
Gagoz 63, Balzers

Nächste Woche wird der Landtag die abschliessende Lesung zur Revision des Krankenversicherungsgesetzes vornehmen. Die FL-Fraktion wird diese Revision ablehnen. Dafür gibt es gleich mehrere stichhaltige Gründe:
? Weil diese Revision die Gesundheitskosten längerfristig nicht senken wird.
? Weil nur an den ohnehin schon bekannten Stellschrauben gedreht wurde, ohne am System etwas zu ändern: unsere Vorschläge bezüglich einer Hinwendung zum Hausarzt-System und dem Entfernen eines finanziellen Umsatz-Anreizes bei Arzneimitteln wurden von der Regierung nicht gehört.
? Weil weiterhin nirgends die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Versicherten berücksichtigt wird. Eine einkommens- und vermögens-abhängige Kostenbeteiligung ist nicht einmal seriös geprüft worden, obwohl einige Abgeordnete verschiedener Parteien diesen Gedanken eingebracht haben.
? Weil wir ein System wollen, welches die Fachkräfte im Gesundheitswesen einbindet. Stattdessen werden mit medialen Schlagzeilen Verunglimpfungen verbreitet, und es wird Stimmung gemacht.
? Weil somit das System nicht solidarischer wird: Die Krankenversicherung entfernt sich mit der Revision von einer solidarischen Einrichtung. Das tragen wir nicht mit.
? Weil das Einzige, das klar ist, die Tatsache ist, dass sich die Versicherten, also wir alle, uns auf eine höhere Kostenbeteiligung einstellen müssen.
Für uns gibt es keinen stichhaltigen Grund, diese Revision mitzutragen: Ohne uns!

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