Leserbrief

Kick backs in Liechtenstein

Ruth Schöb, Auring 57, Vaduz | 27. Juli 2015

Versteckte Provisionen

Es mag sein, dass die Leser das Thema KVG Revision und das «Drumherum», Leserbrief A.Dentsch vom 23.7.2015 satt haben und sich demzufolge nicht mehr damit befassen wollen. Ich finde allerdings, dass wir alle von diesem Problem betroffen sind, denn jeder braucht mal einen Arzt und jeder bezahlt Prämien. Der erwähnte Leserbrief erweckt den Eindruck, als ob die zitierte Aargauerzeitung den Inhalt als verifizierten Sachverhalt beschreibt. Der Berner Hausarzt Daniel Flach schildert in jener Zeitung an einer Fachtagung vier Fälle von Kick backs (Provisionen, Schmiergelder), allerdings in anonymisierter Form, entsprechend können die Angaben nicht überprüft werden. Verdeckte Zahlungen von Provisionen an Hausärzte sind unstatthaft. Sie sind berufsethisch nicht vertretbar. Die Ärzteverbindung FMH verbietet ihren Mitgliedern in Art. 36 der Standesordnung entsprechend, Entgelte oder andere Vorteile für die Überweisung von Patienten entgegenzunehmen.
Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass die beteiligten Hausärzte gegen das Gesetz verstossen. Provisionszahlungen seien zwar nicht a priori illegal, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Es handle sich dabei aber um Vergütungen, die gemäss Art. 56 Abs. 3 des KVGs von den Ärzten an die Patienten und Versicherer weitergegeben werden müssten!
Wie verbreitet die Zahlung verdeckter Prämien unter Hausärzten ist, geht aus Dr. Flachs Angaben nicht hervor. Beweise finden sich kaum.
Die Krankenkassen haben keine Kenntnisse von Kick back Zahlungen. Visana Sprecher David Müller geht davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt. Es sieht mehr nach wenigen schwarzen Schafen aus, die gegen die Standesregeln der FMH verstossen haben. Diese steht nun unter Zugzwang. Ähnlich äus-sert sich die Helsana Sprecherin A. Borchhardt. Spitäler und Ärzte stehen nun in der Pflicht. (Tages Anzeiger/Newsnet 5.2.2015)
Da Frau Dentsch diese Provisionszahlungen in Liechtenstein befürchtet, erwartet? (erhöhte Gesundheitskosten), könnte sie sich beispielsweise an die Präsidentin der Ärztekammer wenden, um in Erfahrung zu bringen, ob solche Vorfälle bei Hausärzten und Kliniken hier vorkommen? So könnten ihre Befürchtungen ausgeräumt oder als bestätigt beantwortet werden. Ohne genaue Beweise handelt es sich um Gerüchte, die Arzt und Patient schaden.
Kick backs sind in der Baubranche, Immobilien, Versicherungen, Behörden, Banken tagtäglich Usus, jeder schweigt, es scheint leider ein «Kavaliersdelikt» zu sein.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2018, Alle Rechte vorbehalten.