Leserbrief

Überlegungen des Frauennetzes, Teil zwei

Frauennetz Liechtenstein | 20. Juni 2015

Gemeindewahlen

Es gibt viele Gründe, warum Frauen nicht politisch aktiv werden. Beispielsweise weil sie keinen Partner haben, der ihnen den Rücken für politische Aufgaben freihält oder weil sie die Doppelbelastung fürchten, denn sie übernehmen immer noch den Grossteil der Hausarbeit. Sie lassen sich nicht aufstellen, weil ihnen die männlich-dominierten Spielregeln der Politik nicht liegen und wahrscheinlich auch, weil sie dem Amt wenig abgewinnen können, während Männer sich dadurch oft Vorteile für das eigene Berufsleben versprechen.
Frauen werden zum Teil nicht gewählt, weil sie weniger vernetzt sind, sie weniger in den Medien präsent sind, als weniger kompetent eingestuft werden und es wahrscheinlich auch eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Frauen und Männern gibt, die gar nicht will, dass sich die Gesellschaft verändert.
Was fehlt, sind Persönlichkeiten in der Politik und in der Wirtschaft, die sich für die Gleichstellung stark machen und öffentlich dazu stehen. Unser Appell richtet sich daher vor allem an diese. Ein moderner Staat und ein Wirtschaftsstandort wie Liechtenstein kann es sich heute nicht mehr leisten, das Potenzial eines sehr gut ausgebildeten Bevölkerungsteils einfach brach liegen zu lassen.
Leider ist die Regierung im Bereich der Gleichstellung auch keine gros-se Hilfe. Die gesetzlich verankerte Kommission für die Gleichstellung von Frau und Mann hat sie seit ihrem geschlossenen Rücktritt 2013 nicht nachbesetzt, für die Stabsstelle für Chancengleichheit hat sie – unter dem nun schon jahrelang vorgebrachten Vorwand der Verwaltungsstrukturänderung – nur eine interimistische Leiterin eingestellt und ihr in dieser Funktion zusätzlich Aufgaben im Ministerium auferlegt. Dies ist nicht nur eine öffentliche Geringschätzung der Position und Aufgabe an sich, sondern führt schlichtweg zu einem Interessenskonflikt. Dass die Stabsstelle in ihrer aktuellen Besetzung trotzdem so viel leistet, ist den Personen zu verdanken, die dort arbeiten!
Diese Wahl ist vorbei – aber die nächste ist schon in greifbarer Nähe. Um den Rückschritt in der politischen Vertretung der Frauen aufzufangen und darauf hinwirken zu können, dass die nächsten Wahlen zu einer gerechteren Geschlechterverteilung führen, ist eine kontinuierliche Gleichstellungspolitik nötig.

Frauennetz Liechtenstein

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