Leserbrief

Lampedusa grüsst

Jo. Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 27. Mai 2015

Eurolöhne

Bei der Ospelt AG gibt es Arbeitsplätze, da legt ein Mann den ganzen Tag eine Folie auf eine Verpackung. Für diese Arbeit kann kein hoher Lohn bezahlt werden. Der Mann, der das macht, hat nichts gelernt und ausser zu solchen Arbeiten kann er kaum eingesetzt werden. In Vorarlberg drüben müsste er sich dafür mit einem Lohn von etwa 1100 Euro begnügen. Dieser Arbeitsprozess liesse sich relativ einfach automatisieren und für 50 000 Franken eine Vorrichtung dafür bauen. Bei dem Lohn, den der Mann hat, lässt sich diese Automation in einem Jahr locker amortisieren.
Jene, welche danach schreien – und das sind viele –, Ospelt müsse bessere Löhne zahlen, wollen sich doch einmal Gedanken machen, wo das enden wird und wie sich denn der Kreis schliessen soll? Auf der einen Seite lässt man Leute zu uns, die nichts anderes wie einfache Tätigkeiten können und auf der anderen Seite verteufelt man jene, welche bereit sind, auch solche Arbeitsplätze zu erhalten und sie nicht wegrationalisieren.
Inzwischen haben wir fast mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Und wenn wir uns das Stimmenfang-Geplapper der letzten Wahl in Erinnerung rufen, war der Erhalt und der Ausbau der Arbeitsplätze Thema fast aller Parteien. Darüber, wie man Firmen mit hoher Wertschöpfung ins Land bringen will, war kaum etwas oder gar nichts zu hören. Eher wurden Stimmen laut, man müsse die Zuwanderung erleichtern, um die vielen leerstehenden Wohnungen zu füllen.
Eine der grössten Herausforderungen der Menschheit wird es sein, immer genügend und für alle Arbeitsplätze zu haben. Bereits heute gelingt das nur, indem man Luxusgüter produziert, die man eigentlich nicht braucht. Wo das enden wird, kann sich jeder selbst ausrechnen. Von der zerstörten und ausgeplünderten Umwelt einmal ganz abgesehen.
In Lampedusa, aus dem Osten, aus dem Süden rollen tagtäglich riesige Menschenlawinen, ohne jegliche Ausbildung, nach Europa, für welche nur einfache Arbeiten infrage kommen. In Afrika warten noch viele Millionen junger Menschen auf den Sprung zu uns. Das Rezept, wie man diese alle zurückhalten will, wird man in Bruxelles noch finden müssen. Viele davon haben nichts gelernt und sind auch der Sprache nicht mächtig. Und tagtäglich werden es mehr und auch wir werden ihnen die Tore noch viel weiter öffnen müssen – ob wir wollen oder nicht. Ob nun aus Syrien oder sonst aus aller Herren Länder. Und wenn sie keine Arbeit wie bei Ospelt finden, dann liegen sie eben dem Staat zur Gänze auf der Tasche. Ende der Geschichte.

Jo. Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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