Leserbrief

Windkraft im Churer Rheintal

Werner Brunhart, Winkel 1, Balzers | 30. Januar 2017

Die bis zum heutigen Zeitpunkt auffindbaren Fakten zur Windkraft sind wohl auf dem Tisch, zumindest wiederholen sie sich in den letzten Leserbriefen z.T. fast wortwörtlich. Es wurden Studien zitiert, Fernsehbeiträge erwähnt und es wird immer wieder von Hinweisen gesprochen, dass mögliche Gefahren bestehen können. Wenn aber Fernsehbeiträge von einem Privatsender als Entscheidungsgrundlage dienen, sollte man zumindest auch noch einmal kurz über den Rhein schauen und die Bündner fragen, wie sie mit ihrem Windrad leben. Wir sind keine Versuchskaninchen. Es gibt eine Anlage in Haldenstein, mit der die Leute im Churer Rheintal seit Frühling 2013 leben und Erfahrungen gesammelt haben. Die Gegner mögen einwenden, dass die Situation im Churer Rheintal nicht mit And zu vergleichen ist, da in Haldenstein und Trimmis noch Autobahn, SBB, RhB, Hochspannungsleitungen und der Rhein als zusätzliche Faktoren dazu kommen. Über den unterschiedlichen Einfluss auf das Landschaftsbild im Churer Rheintal und auf And kann man in dem Fall sicher streiten. Lässt man aber die Optik, um die es wohl vielen vor allem geht, einmal beiseite, kann man sicher Vergleiche anstellen. Beispielsweise könnte man bei so vielen möglichen Infraschallquellen, die zusätzlich rund um das Windrad in Haldenstein vorhanden sind, sogar von einer grösseren Belastung für Mensch und Tier im Churer Rheintal ausgehen. Ich arbeite im Churer Rheintal als Tierarzt und kenne die Bauern gut. Immer wieder habe ich nachgefragt, ob sie Einflüsse auf ihr Vieh oder ihre Familie wahrnehmen oder erkennen. Keiner konnte mir bis zum heutigen Zeitpunkt etwas Negatives berichten. Auch die Wölfe heulen immer noch über dem Dorf und jagen die Hirsche ganz in der Nähe des Windrads. Die neue Wildtierbrücke über die Autobahn und Bahnlinie ist Thema, weil sie sehr teuer ist, aber nicht, weil der Ort nahe des Windrads schlecht gewählt ist. Habe ich nachgefragt, wie die Stimmung in Haldenstein sonst ist, konnte mir ein sicher gut vernetzter Bauer nur sagen, dass er nie etwas über das Windrad höre. In Haldenstein gilt wohl die Devise eines älteren Bauern: «Man kann ja nicht gegen alles Neue sein.»

Werner Brunhart,
Winkel 1, Balzers

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